Bei unserer Sprachlernberatung und all unseren Coachings achten wir auch immer darauf, die neuesten Forschungsergebnisse zu berücksichtigen, damit unsere Teilnehmer an der Sprachlernberatung möglichst schnell und einfach eine neue Sprache lernen. Natürlich wandeln wir die graue Theorie immer in anwendbare Tipps um. Kürzlich erschien ein sehr interessanter Artikel in Nature. Und diese Forschungsergebnisse haben elementare Auswirkung darauf, wie wir Vokabeln lernen sollten!

Die Forschungsarbeit – The brain dictionary

Ein Forscherteam der University of California in Berkeley hat eine 3D Karte unseres Gehirns erstellt. Die Karte zeigt, wo unser Gehirn welche Wörter abspeichert. Dabei ist es den Forschern auch gelungen, bestimmte Kategorien von Wörter zu erkennen. Mit einigen spannenden Erkenntnissen. Das folgende Video gibt einen hervorragenden Eindruck.

 

Die Ergebnisse – Zwei wichtige Erkenntnisse

Das wichtigste Ergebnis ist aus meiner Sicht, dass der Irrglaube „Ein Wort = ein Speicherort“ widerlegt wurde. Vielmehr wird ein Wort in verschiedenen Hirnregionen gespeichert. Und zwar immer im richtigen Sinnzusammenhang.

Darüber hinaus zeigt die Arbeit der Wissenschaftler, dass das ganze Gehirn bei der Verarbeitung von Sprache beteiligt ist. Lange Zeit nahm man an, dass es nur bestimmte Regionen im Gehirn sind, die sich für Sprache verantwortlich zeigen. Zumindest für das Merken von Wörtern ist dem nicht so.

Was bedeutet dies für das Vokabellernen?

Die alles entscheidende Frage ist natürlich, was diese Ergebnisse für das Sprachenlernen im Allgemeinen und das Vokabellernen im Speziellen bedeuten? Zunächst einmal ist es nun Fakt, dass wir Wörter in Zusammenhängen speichern. Das heißt, wir speichern ein und dasselbe Wort mehrmals ab, immer im entsprechenden semantischen Kontext. Die Wörter sind also nach ihrer Bedeutung gruppiert.

Wenn wir nun aber wie beim klassischen Vokabelpauken stupide einzelne Wörter pauken, dann weiß unser Gehirn schlichtweg nicht, wo es diese isolierten Wörter abspeichern soll. Diese Unsicherheit kann darüber hinaus für unser Gehirn Stress erzeugen. Und Stress ist beim Lernen immer schlecht.

 

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Vielmehr sollten wir neue Wörter auch immer im Sinnzusammenhang lernen. Die wunderbare Vera F. Birkenbihl nutzte einst die Metapher eines Fischernetzes. Ziel ist es, neues Wissen immer an ähnliches, bereits bekanntes Wissen zu knüpfen. Wenn wir uns ein Fischernetz vorstellen, dann bedeutet dies, dass du dein Wissen in das Netz einhaken kannst. Dabei gilt es, das Neugelernte zu bereits ähnlichem Wissen zu ergänzen, also an derselben Stelle ins Netz zu haken. Dies trifft auch für das Vokabellernen zu. Lerne neue Wörter immer im Kontext und speichere sie so in der richtigen Hirnregion ab. Nur so findest du sie auch wieder, wenn du in der Fremdsprache kommunizieren möchtest.

Ein Tipp aus der Praxis

Unsere Sprachlernexpertin Christine notiert sich immer neue Wörter und Ausdrücke, die sie beispielsweise während eines Gesprächs mit ihrem Tandempartner nicht verstanden hat. Mit diesen Wörtern bildet sie dann kleine Sätze und konzentriert sich darauf, diese aktiv anzuwenden. Mit einer einmaligen Anwendung ist es nicht getan: Christine flicht diese Ausdrücke so oft es geht in Unterhaltungen ein und speichert so die Ausdrücke – meist sind es tatsächlich ganze Ausdrücke, nur in seltenen Fällen handelt es sich um Einzelwörter – in unterschiedlichen Zusammenhängen ab.

Die Metapher des Fischernetzes passt hier sehr gut, denn je dichter gewebt das Netz ist, desto leichter kann Christine die neuen Spracheinheiten einhängen. Dafür sind dann nicht nur die Spracheinheiten selbst wichtig, sondern auch die emotionale Verbindung zu den Situationen und Gesprächen. So merkt sie sich die neuen Wörter noch besser, hat also sozusagen einen doppelten Effekt. Und warum dies so wunderbar funktioniert, haben die Wissenschaftler rund um Alexander Huth eindrucksvoll bewiesen!

 

P.S. Wer sich genauer für das Thema interessiert, der kann das entsprechende 3D Modell einsehen.
P.P.S. Unser Dank geht auch an MobileGeeks für die Inspiration zu diesem Artikel.

 

Bildnachweis: © Huth, 2016

About Christian Roth

Christian ist Gründer von talkREAL.org und YouDuApp.com. Er liebt es, mittels Technologie das Lernen zu vereinfachen. Auf talkREAL gibt Christian darüber hinaus Tipps, wie man seinen eigenen Lerntyp beim Lernen optimal berücksichtigt.

2 Comments

  • […] So weit, so gut. Klingt erstmal nach einer interessanten Idee. Zumal die Wörter sich immer auf den jeweiligen Inhalt der Website beziehen sollen. Ich lerne die Wörter also mehr oder weniger im Kontext. Wie wichtig das ist, haben wir ja erst kürzlich besprochen: „Angewandte Hirnforschung und was dies für dein Vokabellernen bedeutet“. […]

  • […] Muttersprachler denken grundsätzlich in ganzen Sätzen und Sinneinheiten. Wenn Ihnen zum Beispiel in Ihrer Muttersprache das Wort „bezahlen“ genannt wird, fallen Ihnen sofort Wortverbindungen und Situationen dazu ein (eine Rechnung bezahlen, im Restaurant das Abendessen bezahlen, mit dem Leben bezahlen, mit Kreditkarte bezahlen, getrennt bezahlen, …) Das unterscheidet den Muttersprachler vom Fremdsprachenlerner. Aber: Aber sofort können Sie das ändern, denn auch mit geringen Sprachkenntnissen können Sie schon in Sinneinheiten denken. Und dies ist eine ganz natürliche Art mit Sprache umzugehen und dies wurde erst vor Kurzem erneut von Wissenschaftlern bewiesen. […]

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