Okay zugegeben, wenn die meisten an das Sprachenlernen denken, dann ist Sport und Bewegung wahrscheinlich ganz weit weg. Klar, in der Schule sollten wir ja auch immer möglichst ruhig sitzen. Schaut man sich aber die Ergebnisse der Hirnforschung der letzten Jahre etwas genauer an, dann zeigt sich ganz deutlich, Bewegung fördert das (Sprachen-) Lernen und hat wichtige Auswirkungen für Jung und Alt! Nur ein paar Sachen muss man dabei auch beachten…

Die Vorteile im Überblick

Es dürfte allgemein bekannt sein, dass sich Bewegung und Sport positiv auf unseren Körper auswirkt. Wer im Sportstudio Gewichte stemmt, der wird schnell ein gewisses Muskelwachstum feststellen und die Rückenschmerzen verschwinden. Doch wie wirkt sich Bewegung auf unser wichtigstes Organ, das Gehirn, aus?

Wer sich mehr bewegt, hat viele Vorteile. Die für uns wichtigsten sind die folgenden:

  1. Bessere Konzentrationsfähigkeit
  2. Abbau von Stresshormonen
  3. Aufbau neuer Nerven- und Gehirnzellen

Bewegung fördert die Konzentrationsfähigkeit

Aktive Kinder zeichnen sich durch eine bessere Konzentration aus, wie Studien zeigen konnten! Grund dafür sind die Gebiete im Gehirn, die Bewegung koordinieren. Sie sitzen genau dort, wo sich auch das Arbeitsgedächtnis befindet, das Aufgaben bearbeitet, auf die wir uns konzentrieren.

Durch ausreichend Bewegung werden diese Bereiche generell mit mehr Blut versorgt. Und dieser Effekt hält über das Sporttreiben hinweg an und in der Folge wird das Gehirn mit mehr Sauerstoff versorgt.

Stress der Feind des Lernens

Haben wir Stress schüttet unser Körper Stresshormone aus. *Überraschung* Unsere Gene haben sich allerdings noch nicht an die Neuzeit angepasst und so ist die eigentliche Funktion der Stresshormone, das Freisetzen der Energiereserven des Körpers als Vorbereitung auf eine bevorstehende Flucht oder einen Kampf.

Gerade bei länger anhaltendem Stress werden sogenannte Glukokortikoide ausgeschüttet. Diese wirken wie ein Nervengift und beeinträchtigen die Gehirnleistung. Die Neurogenese (= Neubildung von Gehirnzellen) wird so verhindert.

Lese-Tipp! Lernstress erkennen und verstehen!

Die gute Nachricht, durch körperliche Aktivität, wie z.B. auch regelmäßige Bewegung, baut der Körper das Stresshormon ab und neue Hirn- und Nervenzellen können sich bilden. Und das bringt uns zum dritten Punkt…

Mehr Hirnzellen durch Bewegung

Verschiedene Forscher, u.a. auch John Ratey konnten zeigen, dass durch Bewegung ein Protein namens Brain-Derived-Neurotrophic-Factor (kurz BDNF) produziert wird. Und genau dieser BDNF stimuliert das Wachstum neuer Nerven und Synapsen und sichert gleichzeitig das Überleben der vorhandenen Gehirnzellen. (Und ganz nebenbei werden Demenz begünstigende Proteine gehemmt!)

Ergo, mehr Bewegung hält das Gehirn in Form!

Und jetzt kommt das Beste für alle älteren Semester – Henriette van Pragg konnte beweisen, dass die Anzahl der neugebildeten Neuronen bei Jungen wie bei Alten gleich sind! Ok, sie zeigte das anhand von Nagetieren, aber dennoch – Schluss mit der Ausrede „Ich bin zu alt zum Sprachenlernen!“ 🙂

Leider konnte ich allerdings keine Informationen finden, welche Art der Bewegung und insbesondere welche Herzfrequenz für die Neurogenese am besten ist. Grundsätzlich halte ich es aber für sinnvoll, es ist nicht zu übertreiben und definitiv im aeroben Bereich zu bleiben.

Bewegung und Sprachenlernen in der Praxis

Puuh, das war nun teilweise ganz schön viel Theorie mit vielen Fachbegriffen. Bleibt die Frage, wie ich all das am besten auf meinem ganz persönlichen Sprachabenteuer berücksichtige?! Schauen wir uns zunächst das klassische Vokabellernen an.

Vokabeln mit Gesten nachahmen

„Gerade Bewegung ist beim Lernen enorm wichtig. Je mehr Sinne beteiligt sind, desto größer sind die Netzwerke im Gehirn, und umso besser kann man Informationen abrufen“ sagt Dr. Manuela Macedonia von der Universität Linz. Weiter empfiehlt sie, die entsprechenden zu lernenden Wörter immer mit Gesten nachzuahmen. Im Fachjargon heißt dies dann: „Die Behaltensleistung ist viel größer, wenn prozedurales Lernen einbezogen wird.“

Dies wird auch durch die kürzlich veröffentlichte Studie „Lernen mit allen Sinnen“ der Max-Planck-Gesellschaft belegt. Die Forscher fanden heraus, dass das Lernen von Wörtern mit nachahmenden Bewegungen oder dem Vorstellen geistiger Bilder wesentlich effektiver ist.

tR-Tipp! Diese Ergebnisse bestätigen unsere Tipps aus der Blog-Serie „Wie lerne ich neue Wörter?“. Das wichtigste ist, dass du neuen Vokabeln „Aufmerksamkeit“ schenkst, je mehr desto besser. Spricht das Lernen mehrere Sinne an, bedeutet dies automatisch „Es ist wichtig“ und wird verarbeitet statt vergessen. Weitere Informationen findest du in Teil 01 der Serie.

Ergo, wenn wir beim Vokabellernen mehrere Sinne nutzen, dann können wir uns diese Wörter schneller merken und können sie beim Schreiben oder Sprechen besser wieder abrufen. Top!

Lerntyp – Nutze deine stärksten Sinne

Und da ist er dann auch wieder, unser guter alter Lerntyp! Denn genau das ist die Aufgabe der Lerntypen-Analyse auf talkREAL – Die Bestimmung deiner stärksten Sinne und wie du diese optimal zum Sprachenlernen einsetzt!

Wer den Test bereits durchgeführt hat, der weiß, dass für die sogenannten Kinästheten Bewegung besonders wichtig ist und diese werden auch übermäßig von der Kombination von Sport und Sprachenlernen profitieren! Für sie gilt es, neue Wörter auch durch Bewegungen zu erfahren und sie so schneller zu lernen.

Zur Lerntypen-Analyse

Leider berücksichtigt die obige Studie des Max-Planck-Instituts einzelne Lerntypen nicht. Vieles weist aber darauf hin, dass abweichende Lerntypen verstärkt andere Methoden zur Lernunterstützung nutzen sollten. Für den auditiven Lerner ist es also wichtiger, dass er die neuen Wörter auch hört, usw. Alle zugehörigen Tipps und Empfehlungen findet ihr im entsprechenden Ergebnis-Report der Lerntypen-Analyse.

Praxis-Tipps zum Lernen mit Bewegungen

Eine wichtige Voraussetzung muss beim Lernen (egal mit welchem der Sinne) jedoch erfüllt sein: „Die einzelnen Sinneseindrücke sollten idealerweise zusammenpassen“, sagt Katharina von Kriegstein in einem Interview auf Haufe.de. Wenn man also Zahlen lernt, dann sollte man sie vorzugsweise in der Luft mitschreiben. Und wenn es um das Wort „Tisch“ geht, wäre ein Auto nach zu zeichnen bspw. keine sinnvoll unterstützende Bewegung.

Eine weitere Erkenntnis, eigene Bilder und Gesten haben einen wesentlich größeren Effekt als vorgegebene Bilder oder Gesten! (Ein Fakt, den wohl viele Anbieter von Sprachlern-Software nicht gerne hören werden…)

Sport und Sprachenlernen

Nun haben wir das Wort „Bewegung“ zugegebenermaßen in zwei unterschiedlichen Zusammenhängen gebraucht. Eben haben wir beschrieben, wie zusätzliche Bewegungen beim Vokabellernen helfen können.

Die weiter oben beschriebenen Vorteile sind allerdings die Folge von viel Bewegung im Sinne von Sport. Warum also nicht auch das Joggen mit dem Sprachenlernen kombinieren? Ich nutze hierzu häufig ältere Audio-CDs von Langenscheidt oder  Pimsleur CDs, die ich mir in den USA einst kaufte .

Ich habe so den Vorteil, dass mein Gehirn, wenn es dank der Bewegung sowieso dabei ist, neue Gehirnzellen anzulegen, sich mit Sprache beschäftigt. Eine nicht zu unterschätzende Kombination! Da ich im Wald laufe, hat es ebenfalls den wunderbaren Nebeneffekt, dass ich die vorgesprochenen Sätze und Wörter wunderbar nachsprechen kann, ohne, dass ich jemanden störe oder mir komisch vorkomme.

Fazit – Bewegung fördert das Sprachenlernen!

In den vergangenen Jahren hat die Hirnforschung so einiges zu Tage gefördert, das alte Dogmen über den Haufen schmeißt. Wer immer gesagt bekam, beim Lernen gefälligst ruhig zu sitzen, der wird nun eines besseren belehrt.

Fakt ist, Bewegung ist gleich doppelt gut, es kann genutzt werden, um neue Wörter einzuüben oder durch entsprechenden Ausdauersport euer Gehirn entsprechend fit zu halten. Diese Effekte sollte jeder auch für das Sprachenlernen nutzen. Also auf geht’s – Bewegung!

About Christian Roth

Christian ist Gründer von talkREAL.org und YouDuApp.com. Er liebt es, mittels Technologie das Lernen zu vereinfachen. Auf talkREAL gibt Christian darüber hinaus Tipps, wie man seinen eigenen Lerntyp beim Lernen optimal berücksichtigt.

3 Comments

  • Stefan sagt:

    Also ich habe die erfahrung gemacht, das das hören von Hörbüchern unter starker Anstrengung beim Sport unglaublich einprägsam ist. Also z.B. von Audible n paar Hörbücher ziehen und rauf auf die Tartanbahn!

  • Claudius sagt:

    Danke für den tollen Beitrag. 🙂

    Ich gehe regelmäßig ins Fitnessstudio und nehme mir vorher Vokabeln als Sprachmemo auf mein Handy auf. Diese lasse Ich dann während des Sports in Dauerschleife ablaufen. Mit Musik macht Sport natürlich mehr Spaß aber diese Methode ist effektiv und hat mir in der Vergangenheit enorm weitergeholfen.
    Dialoge und ähnliches in der zu lernenden Sprache sind auch sehr empfehlenswert. Gerade bei Englisch gibt es hier unzählige Angebote. Bei weniger gebräuchlichen Sprachen kann man auf Audio-CDs aus Lehr- oder Kursbüchern zurückgreifen.
    Viele Grüße,

    Claudius

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