Wir kennen es wahrscheinlich alle, die ersten Gehversuche in der Fremdsprache sind komisch. Natürlich wollen wir immer alles richtig sagen und verstehen, doch wir lernen die neue Sprache erst seit ein paar Wochen und die perfekte Verständigung ist aktuell noch ein frommer Wunsch. Wäre es da nicht schön, wenn die erste richtige Unterhaltung mit einem Computer wäre?

Duolingo (zum Testbericht) hat in den letzten Wochen gleich zwei neue Features implementiert, die es wert sind, unter die Lupe genommen zu werden: Duolingo Bots und Clubs. Was hat es mit diesen auf sich, beheben sie obiges Problem und welchen Mehrwert bringen sie? Alle Antworten im folgenden Artikel.

Duolingo Bots: Mit künstlicher Intelligenz zum Spracherwerb

Die Duolingo Bots sind eine Sammlung liebevoll gestalteter Charaktere, die dem Lerner als Gesprächspartner dienen sollen. Die Idee ist genial: Anstatt stupiden Übersetzens einzelner Phrasen sollen die Bots eine Möglichkeit darstellen, eine echte Gesprächssituation zu simulieren. Das Ganze funktioniert nach folgendem Prinzip:

Es stehen mehrere Bots zur Auswahl, die unterschiedliche Themen darstellen. So kann man sich zum Beispiel mit einem Koch, einer Künstlerin oder einer Zoowärterin unterhalten. Das Gespräch wird stets von der Gegenseite gestartet und beinhaltet eine Frage, auf die der Nutzer zu antworten hat. Durch diese Methode wird der Gesprächsverlauf auf natürliche Art gelenkt. Alle Worte, die im Dialog vorkommen, können durch Antippen nachgeschlagen werden. Sobald man nun anfängt, eine Antwort zu tippen, werden passende Wörter vorgeschlagen, die verwendet werden können. Meist lassen sich die Fragen durch ein bis zwei Worte beantworten, allerdings erhält man für besonders ‚gelungene‘ (aka. komplexe) Antworten Bonuspunkte. Zu komplex dürfen die Antworten aber wiederum auch nicht sein, da das System nur sehr einfache Sätze zu erwarten scheint und alle unvorhergesehenen Worte nicht akzeptiert.

Reden Duolingo Bots: Gute Antworten werden belohnt, schlechte verbessert

Interessant ist die Funktion „Help me reply“. Duolingo schlägt dabei Worte vor, mit denen man anfangen könnte, eine Antwort zu formulieren. Nach jedem gewählten Wort werden weitere angezeigt, die darauf folgen könnten, bis man einen Satz vervollständigt hat.

Didaktisch vorteilhaft ist, dass es in dem ganzen Prozess nicht möglich ist, grammatikalisch falsche Antworten zu geben, da Duolingo einen nicht weiterschreiben lässt, sobald ein Wort nicht passt. Gleichzeitig liegt hier aber auch das größte Problem: Man ist sehr eingeschränkt in dem, was das System als mögliche Antwort erkennt und wird leicht frustriert, wenn man mehrere Worte durchprobiert, die nicht akzeptiert werden.

Duolingo Bots: Help me reply - Aus vorgeschlagenen worten Sätze bilden

Fazit Duolingo Bots: Großes Potential in Kinderschuhen

Die Idee der Duolingo Bots ist großartig, da sie die Antwort auf das größte Problem digitaler Sprachprogramme bietet: Den Mangel an Interaktion bzw. Kommunikation. Ein digitaler Gesprächspartner hat dabei potentiell sogar einige Vorteile gegenüber einem menschlichen, da er unendlich geduldig ist, Korrekturen geben kann und stets verfügbar ist. In der Praxis ist die Umsetzung jedoch noch sehr rudimentär und bisher nur für völlige Anfänger interessant. Das Sprachniveau ist für fortgeschrittene Nutzer zu niedrig und die Antwortmöglichkeiten viel zu eingeschränkt. Eine wirkliche Unterhaltung, so wie man es von anderen Sprachbots kennt, die zum Beispiel im Kundenservice eingesetzt werden, ist nicht möglich. Trotzdem ist das Feature ein Schritt in die richtige Richtung und ich bin sehr gespannt, wie sich die Sache weiterentwickeln wird. Sprache und Kommunikation ist eine der größten Herausforderungen für künstliche Intelligenzen und gleichzeitig ein schnell wachsendes Forschungsgebiet. In naher Zukunft wird sich hier sicherlich einiges tun und Duolingo wird bestimmt auch in Zukunft zu den Vorreitern auf diesem Gebiet gehören.

Verfügbarkeit

Duolingo Bots sind bisher für englischsprachige Lerner von Französisch, Spanisch und Deutsch verfügbar. Das Update gibt es für Iphone und Android Geräte.

Duolingo Clubs: Motivation durch Teamgeist

Ganz anders verhält es sich mit dem zweiten Feature, das erst vor wenigen Wochen Einzug in die mobilen Betriebssysteme von Iphone und Android Geräten gehalten hat: Duolingo Clubs sind eine weitere Möglichkeit, sich mit Freunden zu verbinden. Schon bisher konnte man Freunden bei Duolingo folgen, ihren Fortschritt sehen und sich vergleichen, mit Clubs kann man nun Teams von bis zu 14 Personen bilden, die die gleiche Sprache lernen. Das Ziel ist klar: Durch die kompetitive Komponente soll die Motivation verstärkt werden und die Lerner sollen sich so gegenseitig zu Höchstleistungen anstacheln. Das Feature hat allerdings konzeptionell einige Macken.

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Einen Club zu gründen ist sehr einfach. Man wählt einen Namen und darf sich noch ein hübsches Banner aussuchen, dann erhält man einen Code, den man seinen potentiellen Clubmitgliedern manuell übergeben muss, damit diese eintreten können. Der eigentliche Club besteht dann aus einem Newsfeed, der immer aktualisiert wird, sobald ein Mitglied etwas gelernt oder geübt hat bzw. Erfahrungspunkte gesammelt hat. Ähnlich wie bei anderen sozialen Netzwerken kann man auf diese Nachrichten reagieren, indem man sie mit Emoticons quittiert oder einen von mehreren vorgegebenen Kommentaren in der Zielsprache abgibt. Und das war dann auch schon alles. Man kann weder direkt gegeneinander antreten noch wirklich miteinander interagieren. Nicht einmal ein tatsächlicher Chat ist möglich, da die Kommentarfunktion nur einsilbige, vorgefertigte Reaktionen zulässt.

Duolingo Clubs: Nichts weiter als ein Newsfeed

Fazit Duolingo Clubs: Überflüssig

Mal ganz davon abgesehen, dass ich nur eine einzige Person kenne, die zufällig die gleiche Sprache mit der gleichen App lernt und das auch noch regelmäßig und es unmöglich ist, nach Clubs anderer zu suchen, ohne deren Code zu kennen, ist die Clubfunktion auch sonst ein Reinfall. Die Sache hätte möglicherweise Potential, wenn man sich tatsächlich unterhalten, Fragen diskutieren oder gegeneinander antreten könnte. So wie sie zur Zeit implementiert ist, entbehrt die Clubfunktion allerdings jeglichen Mehrwerts. Ein Leaderboard, an dem ich sehen kann, wie viele Punkte meine Freunde im Vergleich zu mir haben, gab es auch schon vorher und die Clubfunktion erweitert das nur um ein rudimentäres Interface. Fazit: Solange nicht weitere, interessantere Funktionen hinzugefügt werden, bringen die Clubs nur sehr wenig Mehrwert.

Verfügbarkeit

Clubs sind bisher für Iphone und Android Geräte verfügbar. Eine Implementierung für die Browserversion soll folgen.

Duolingo Clubs und Bots können durch ein Update im AppStore bzw. Google Play Store heruntergeladen werden. Haben Sie die neuen Features schon ausprobiert? Dann erzählen Sie uns von Ihren Erfahrungen indem Sie einen Kommentar hinterlassen!

Bildnachweis: © stocksnap.io Ahmed Aqtai

About Valérie-Françoise Vogt

Als Interaction-Designerin, Kognitionswissenschaftlerin und selbst begeisterte Sprachen-Lernerin ist Valérie immer auf der Suche nach der perfekten Sprachlern-Software.

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