Steve Kaufmann ist ein sogenannter „Polyglot“, also eine Person, die viele Sprachen beherrscht. In unserer Serie „Polyglot im Portrait“ stellen wir Ihnen immer wieder eine dieser interessanten Personen vor, geben die wichtigsten Tipps und Informationen zum Sprachenlernen an Sie weiter und präsentieren interessante Videos dieser Menschen, die mit großer Leidenschaft Sprachen lernen.

Heute geht es also um Steve Kaufmann – er kommt aus Montréal in Kanada, war kanadischer Diplomat und spricht inzwischen 15 Sprachen. Er ist der Gründer und Kopf hinter Lingq, einem Sprachlerntool. Darüber gibt es hier auf unserem Blog einen ausführlichen Testbericht.

Polyglot Steve Kaufmann von LingqWer ist Steve Kaufmann?

Nationalität: Schweden
Gesprochene Sprachen:
Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Deutsch, Schwedisch, Russisch, Portugiesisch, Chinesisch (Kantonesisch und Mandarin), Japanisch, Koreanisch und Tschechisch.
Profile im Internet: Blog | Twitter | Facebook | YouTube
Sprache der Tipps: Verschiedene, hauptsächlich aber Englisch

Geboren in Schweden lebt Steve Kaufmann heute in Kanada. Nach seiner Zeit als Diplomat hat er sich nun ganz dem Lernen neuer Sprachen gewidmet und ist im Internet nicht nur als Polyglot bekannt, sondern gleichzeitig auch als Gründer der Sprachenlern-Plattform LingQ.

Steve Kaufmann und seine Tipps, wie man am besten neue Fremdsprachen lernt!

In Video Nummer 01 (9:50 Min) gibt Steve einen wunderbaren Überblick über die wichtigsten Polyglotten und deren jeweiliges Vorgehen beim Erwerb einer neuen Fremdsprache. Hier kristallisiert sich bereits heraus, was wir auch als sehr wichtig einstufen: Jeder sollte seinem Typ und seiner Veranlagung entsprechend lernen. Nur weil eine Methode für den Nachbarn taugt, muss diese Methode noch lange nicht die perfekte Methode für Sie sein. Noch etwas Wichtiges kann man aus dem Video mitnehmen: Mit der perfekten Methode ist Talent eher zweitrangig. Selbstverständlich muss nicht jeder 15 oder 17 Sprachen sprechen, eine reicht für den Anfang ja auch.

  • Zu Beginn des Lernens einer neuen Sprache legt Steve den Schwerpunkt auf das Hören und Lesen der Fremdsprache. Dabei steht für ihn das Vokabellernen im Vordergrund. Grammatik schaut er sich nur bedingt an. Kommunikation funktioniert nach der Meinung von Steve Kaufmann nur, wenn ein großer Vokabelschatz zur Verfügung steht. Ein Muttersprachler weiß schließlich nicht, wie weit Sie schon in der Fremdsprache fortgeschritten sind, und wird sich mit seinem natürlichen Wortschatz mit Ihnen unterhalten wollen. Grammatik ist also für das Verständnis nicht so wichtig – die Faustregel lautet: Ohne Vokabeln kein Verständnis. Ohne Vokabeln brauche ich auch nicht zu wissen, was der spanische Subjuntivo ist oder wie ein italienisches Indefinitpronomen oder das französische Passé simple funktioniert. Aus welchen Wörtern sollte ich denn diese Phänomene auch bilden?
  • Für Steve Kaufmann geht es beim Sprachenlernen hauptsächlich um das Erlernen neuer Worte. Aus diesem Grund hält er auch das Lernen mit Musik für weniger geeignet, da Lieder seiner Meinung nach nur wenig neue Vokabeln enthalten. Musik hat unserer Meinung nach noch einen zweiten Aspekt, der berücksichtigt werden sollte: Liedtexte enthalten normalerweise kein oder nur wenig Vokabular, das in der Umgangs- und Alltagssprache verwendet wird. Sie sprechen sicherlich nicht wie die Band Rammstein Deutsch, also möchten Sie auch nicht wie Eminem Englisch oder wie MCSolaar Französisch sprechen.
  • Der beste Weg, eine Fremdsprache zu lernen, ist, das zu tun, was Ihnen am besten gefällt, das ist das Motto von Steve Kaufmann. Dabei sollte man auch immer seine persönlichen Ziele im Blick haben, wie Steve am Beispiel seines Russischlernens verdeutlicht. Stimmen Sie also immer Ihre Tätigkeiten in der Fremdsprache auf Ihr sprachliches Ziel ab. Da Sie aber normalerweise auch das gerne tun, weswegen Sie die Sprache auch lernen möchten, sollten Sie hier eine große Übereinstimmung finden. Ein Beispiel: Sie möchten Bücher in Russisch lesen? Dann lesen Sie auch während Ihres Lernweges viel in Russisch. Wenn Sie nicht gerne lesen, wäre das dann sowieso das falsche Ziel und Sie sollten eher über eine andere Zielsetzung nachdenken.
  • Fazit: Steve Kaufmann beschreibt viele Wege eine Sprache zu lernen. Und derjenige, der Ihnen am meisten Spaß macht, ist der Richtige. Übrigens, genau dieser Gedanke steckt hinter dem Konzept des LernTYPs. Es geht darum heraus zu finden, wie man Informationen am liebsten aufnimmt. Finden Sie also zuerst heraus, welche Lernkanäle bei Ihnen vorherrschen – dies können Sie ganz einfach im Rahmen unseres Coachingkurses herausfinden -, dann haben Sie einen sehr angenehmen Lernweg vor sich!
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Wie wichtig ist ein gutes Gedächtnis beim Sprachenlernen?

Das zweite Video habe ich ausgewählt, da Steve Kaufmann hier meines Erachtens einen sehr wichtigen Fakt des Sprachenlernens beschreibt. Konkret geht es um den Einfluss des Gedächtnisses und das Abrufen von Informationen während des Sprechens.

Steve zieht den Vergleich zum Autofahren, das wir alle mehr oder weniger unterbewusst richtig machen. Ähnlich ist es beim Sprechen von Sprachen, denn die Worte und Ausdrücke sollten auch unterbewusst oder besser gesagt spontan in die Unterhaltungen einfließen. Dies geht meines Erachtens nicht, wenn Sie versuchen, einen deutschen Satz Wort-für-Wort in eine Fremdsprache zu übersetzen. Leider ist dies aber eine verbreitete Vorgehensweise.

Wenden wir uns wieder den wichtigsten Aussagen von Steve Kaufmann zu:

  • Sprachen lernen hat weniger etwas mit einem guten Gedächtnis zu tun, sondern viel mehr mit einem schrittweisen Gewöhnen an die neuen Klänge und Wörter der Sprache, die Sie erlernen möchten. Durch das Anhören und Lesen der Fremdsprache gewöhnen Sie sich also an den Klang und das Aussehen der Sprache, und diese erscheint Ihnen immer natürlicher.
  • Dein Gehirn benötigt eine gewisse Zeit, um die verschiedenen Muster zu erkennen und die entsprechenden Nervenzellen anzulegen. Daher ist es wichtig, diese Hör- und Lesemuster immer wieder zu wiederholen.
  • The Golden Trinity of Language Learning! Für Steve gibt es drei sehr wichtige Bestandteile des Sprachenlernens. Diese sind 1) die richtige Einstellung 2) Zeit und 3) Aufmerksamkeit. (Mehr dazu ab 6:07 Min. im Video)

Steve Kaufmann’s Summer Sessions – Ein Video FAQ rund um den Erwerb neuer Sprachen!

Die dritte und letzte Empfehlung ist eigentlich eher eine ganze Video-Reihe, die einem Frequently Asked Questions-Bereich ähnelt. Unter dem Hashtag #asksteve konnte man auf Twitter Fragen posten und Steve Kaufmann beantwortet diese in seinen Videos der Summer Session-Reihe. Als Beispiel habe ich mir direkt die erste Folge heraus gegriffen, in der es zunächst um die Frage nach dem Leseverständnis geht. Schließlich diskutiert Steve Kaufmann, wie man vom reinen Input (dem Lernen) zum effektiven Output (der eigentlichen Kommunikation) gelangt.

Wie verbessert man sein Leseverständnis?

  • Lesen Sie so viel wie möglich! Und lese Sie, was Sie hören und hören Sie sich an, was Sie lesen.
  • Dabei sollte das Gelesene möglichst interessant sein und man sollte sich mit dem Thema bereits auskennen. Doch zu Beginn des Sprachenlernens ist das wirklich interessante Lernmaterial zu schwierig. Deswegen muss man sich häufig gerade am Anfang mit weniger interessanten Inhalten auseinandersetzen. Diese sollten Sie so oft wie möglich wiederholen.
  • Wenn Sie zu Beginn Wörter nachschlagen, dann nutzen Sie die Vorteile der Technologie, aber wenn Sie weiter fortschreiten und ein ganzes Buch lesen, dann schlagen keine Wörter mehr nach, sondern genießen Sie das Lesen und das Buch.

Der tR-Zusatztipp

Interessante Lektüren mit Audiodownloads oder CDs in unterschiedlichen Sprachen finden Sie auf dem Lektürenportal des Klett-Verlags. Dort können Sie die Lektüren nicht nur nach der Sprache filtern, sondern auch nach dem Sprachniveau. Alternativ können Sie Lesematerial natürlich auch über die Suchfunktion bei Amazon finden.

Vom Input zum effektiven Output!

  • Grundsätzlich kommt es darauf an, was Sie mit der Fremdsprache für Ziele erreichen möchten, das heißt, wofür Sie die Sprachkenntnisse brauchen und verwenden möchten.
  • Wenn Ihr Ziel sehr gute Sprachkenntnisse sind, dann sollten Sie den Fokus stark auf Vokabeln, Ausdrücke und Redewendungen legen. Denn nur wenn Sie einen umfangreichen passiven Wortschatz, werden Sie Ihren Gesprächspartner verstehen.
  • Sobald Sie sich allerdings dazu in der Lage fühlen, sollten Sie die Sprache auch aktiv sprechen oder schreiben. Dies ist schon mit einem relativ geringen Wortschatz möglich. Im Anschluss sollten Sie Ihre Kommunikation reflektieren und Ihr Lernen Ihren Fehlern anpassen.
  • Machen Sie sich keine Sorgen wegen Ihrer Fehler oder wegen der Aussprache, diese sind normal und müssen auch sein. Warum das so ist, haben wir in diesem Artikel erklärt.

It’s your turn …

Im ersten Video beschreibt Steve kurz die unterschiedlichen Lernmethoden verschiedener Polyglots. Christian Roths Vorgehensweise beim Sprachenlernen kommt der von Steve am nächsten. Wie ist es bei Ihnen? Wie ist Ihre Lernmethode? Legen Sie auch einen derart großen Schwerpunkt auf Input? Schreiben Sie doch Ihre Erfahrungen und Tipps einfach in den Kommentar-Bereich.

P.S. Wer sich tiefergehend mit dem Phänomen „Mehrsprachigkeit“ auseinandersetzen möchte, dem sei das Buch „Babel No More“ (@Amzn) empfohlen.

Image Credit: Steve Kaufmanns YouTube Channel und Blog

Bildnachweis: © www.pixabay.com – rickcheadle

About Christian Roth

Christian ist Gründer von talkREAL.org und YouDuApp.com. Er liebt es, mittels Technologie das Lernen zu vereinfachen. Auf talkREAL gibt Christian darüber hinaus Tipps, wie man seinen eigenen Lerntyp beim Lernen optimal berücksichtigt.

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