Bekanntlich gibt es viele Wege, Sprachen zu lernen. Gerade talkREAL steht dabei für eine große Vielfalt an Lernmöglichkeiten. Langjährige Leser wissen, Grammatiken und Vokabelhefte lassen wir gerne links liegen, denn es gibt wesentlich schönere Wege, eine Sprache zu lernen.

In diesem Artikel, der den Beginn einer Artikelserie darstellt, möchten wir uns genauer mit einer Sprachlernmethode beschäftigen, die normalerweise nicht so im Fokus steht: dem Sprachenlernen im Tandem.

Tandem?

Ist dies nicht dieses Fahrrad, mit dem man zu zweit nie wieder versehentlich getrennte Wege fahren kann? Ja, auch. Im Sprachenkontext meinen wir aber hier immer das gemeinsame und gegenseitige Sprachenlernen von (in der Regel genau) zwei Personen. Beide helfen sich dabei gegenseitig, da sie wechselseitig etwas sehr gut können, was der andere nicht (so gut) kann.

Ein Beispiel: Susanne spricht Deutsch als Muttersprache und lernt derzeit Spanisch. Sie lernt zusammen mit Pedro, der Spanisch als Muttersprache spricht und Deutsch lernt. Beide können sich gegenseitig korrigieren und unterstützen; denn selbst obwohl Susanne kein Studium in deutscher Sprache hinter sich gebracht hat, kann sie mehr als genug, um Pedro zu helfen. Denn Rechtschreibfehler, die falsche Verwendung von Artikeln oder eine merkwürdige Aussprache bemerkt sie natürlich sofort. Genauso geht es Pedro, wenn Susanne mal wieder etwas Spanisch vorkommt, das es aber leider nicht ist.

Das ist das Grundprinzip. Eigentlich ganz einfach.

Dennoch, wie bei allen Sprachlernmethoden gibt es auch beim Tandem-Lernen viele Aspekte, die das Lernen für beide Tandem-Partner beeinflussen. Wir beleuchten diese in der neuen Tandem-Serie hier auf talkREAL und beginnen mit der Frage, warum es toll ist, gemeinsam Sprachen zu lernen.

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Einschub: Wer schreibt hier eigentlich?

Doch bevor ich damit beginne, ein kleiner Einschub: Ich schreibe diese Artikelserie aus meiner langjährigen Erfahrung heraus. Ich lerne seit 2008 im Tandem auf verschiedene Arten Spanisch und Portugiesisch; bislang in Rhein-Main, Madrid und Berlin. Meine Spanisch- und Portugiesisch-Kenntnisse sind durch meine vielen Tandem-Partner deutlich gewachsen. Genauso wie meine Erfahrungen darüber, wie Tandem-Lernen effektiv oder ineffektiv sein kann.

Diese Art zu Lernen gehört für mich mittlerweile zum Sprachenlernen einfach dazu. Besonders, wenn man nicht in dem Land lebt, in dem die Lernsprache gesprochen wird, hat man sonst kaum eine so gute Möglichkeit, sie auf so vielen fachlichen, kulturellen und persönlichen Ebenen zu erleben. Und man lernt ganz nebenbei auch noch wunderbare Menschen kennen, die man nicht mehr missen möchte! 🙂

Was ist nun also so toll am Tandem-Lernen?

  • Flexibilität – Beide Tandem-Partner können immer wieder neu vereinbaren, wie oft und wo sie lernen möchten. Egal ob zweimal die Woche, alle zwei Wochen oder einmal im Monat für zwei Tage; beide können ihr Lernen flexibel an ihre jeweilige Lebenssituation anpassen.
  • Individualität – Jeder Tandem-Partner beschäftigt sich mit einer Person und kann auf sie natürlich viel besser eingehen als dies bei 20 Leuten in einem Sprachkurs möglich wäre. Lerninhalte können zudem immer wieder den eigenen Wünschen und Lebensumständen angepasst werden, damit es nie langweilig wird. Pedro fällt auf, dass Susanne bei bestimmten Wörtern Schwierigkeiten mit der Aussprache hat? Dann setzt er das nächste Mal darauf einen Schwerpunkt.

Lese-Tipp! Richtig korrigieren ist übrigens sehr einfach. Im schulischen Umfeld allerdings häufig falsch angewendet. Wie du es besser machst, erfährst du in dem Artikel „Richtig korrigieren – So gehts!“.

  • Kostenlos – Im Prinzip „bezahlen“ sich Tandem-Partner direkt gegenseitig durch ihre Hilfe. Kosten entstehen höchstens in Form von Getränken, wenn man sich etwa in Cafés trifft. Lernmaterialien hat man ja schon (beziehungsweise würde man sich sowieso kaufen).
  • Kultur hautnah – Im Laufe der Zeit bekommt man Einblick in unbekannte kulturellen Aspekte seines Gegenübers. Man merkt es zum Beispiel irgendwann, wenn der Tandem-Partner nie direkte Aufforderungen, sondern immer nur Höflichkeitsfragen formuliert, die aber für ihn Aufforderungen sind. Man sieht am Verhalten, an der Gestik und Mimik, wie er in manchen Situationen überraschend anders reagiert. Diese oftmals sehr interessanten kulturellen Einblicke vermittelt kein Lehrbuch. Auch man selbst sieht das eigene Verhalten dann in einem anderen Licht und reflektiert über sich auf einer neuen Ebene.
  • Persönlicher Botschafter – Mit der Sprache verbunden ist oft auch ein Interesse an dem Land bzw. den Ländern, in dem/denen die Sprache gesprochen wird/werden. Mit seinem Tandem-Partner kann man sich über aktuelle politische Ereignisse wie über geschichtliche Aspekte unterhalten und bekommt tiefere und persönlichere Einblicke darüber.

Diese Aufzählung ist nicht vollständig (wenn dir dein wichtigster Punkt fehlen sollte – schreib ihn in einen Kommentar rein!), aber gibt dir bereits einen guten Einblick um zu verstehen, weswegen viele Sprachbegeisterte nicht nur mit Büchern, sondern auch „mit“ Menschen lernen.

Falls du auch schon dazugehörst wäre es ganz toll, wenn du jetzt noch kurz in einem Kommentar andere an deinen Erfahrungen teilhaben lassen könntest. Es ist immer interessant zu sehen, wie andere ihr Tandem-Lernen organisieren.

Soviel dann erstmal dazu in unserem ersten Artikel der neuen Tandem-Serie. In der nächsten Folge wird es dann um die Frage gehen, wie man denn Tandem-Partner dann auch finden kann.

 

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Bildnachweis: © Depositphotos.com/apid

About Andreas Marc Klingler

Tandem-Experte und langjähriger autodidaktischer Sprachenlerner Andreas versucht sich oft an neuen Ideen, um durch moderne IT neue Möglichkeiten für das Sprachenlernen zu schaffen.

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