Einfach nur durch normales Lesen, Vokabeln und Grammatik lernen?! Das klingt fast zu gut, um wahr zu sein. Wirft man allerdings einen Blick in die Forschungsarbeiten vergangener Jahre, dann findet man viele Belege für die positiven Effekte des sogenannten „Extensive Reading“. Was sich hinter diesem Konzept des Lesens verbirgt und wie wir es für den eigenen Spracherwerb nutzen können, ist Gegenstand dieses Artikels.

Extensive Reading … um des Lesens Willen

Unter dem Begriff des „Extensive Reading“ versteht man das Sprachenlernen durch Lesen, sehr viel Lesen. Die Idee wurde im Jahr 1989 durch die wissenschaftliche Arbeit von Stephen Krashen populär und besagt, dass wir durch extensives Lesen Vokabeln und Rechtschreibung automatisch lernen.*

Wie soll das funktionieren, mögen Sie sich nun fragen? Die Antwort liegt einmal mehr in der unglaublichen Leistung unseres Gehirns. Wenn es die Fremdsprache hört, kann es ganz automatisch die Struktur (= Grammatik) und neue noch unbekannte Wörter lernen. Das Ganze braucht ein wenig Zeit, funktioniert aber wunderbar. Ein Blick in jede erste Klasse zeigt, dass wir genau so  unsere Muttersprache gelernt haben. Diese sprechen die Sechsjährigen meist fehlerfrei, ohne jemals Vokabeln oder Grammatik gepaukt zu haben. Das kommt dann (warum auch immer) erst in der Schule.

Schaut man sich das extensive Reading im schulischen Kontext an, dann bedeutet es, den Schülern vorzugeben, wie viel sie in einem bestimmten Zeitraum lesen sollen. Wann genau und wo sie das tun, bleibt den Schülern jedoch vollkommen freigestellt. Dies gilt auch für die Frage, was sie lesen!

Stichwort „Schule“. Folgt man den Befürwortern des Konzeptes (zu denen ich zugegeben auch gehöre, da ich selbst gemerkt habe, welche Vorteile es haben kann) dann bringt extensives Lesen:

  • Spaß und Freude am Lesen
  • Stärkung der sprachlichen Kompetenz
  • Erweiterung des Vokabulars sowie der Grammatikkenntnisse
  • Besseres Textverständnis

Kurz und knapp gesagt: Man lernt quasi nebenbei und vor allem mit Spaß eine neue Sprache! Genau der Stil, den wir hier beim talkREAL Institute auch immer coachen 🙂

Intensive Reading oder alles zu seiner Zeit

Nicht verheimlichen möchte ich an der Stelle, dass es, wie im wissenschaftlichen Diskurs üblich, auch Kritik am Konzept des „extensive Reading“ gibt. Gerade der empirische Nachweis des unterbewussten Vokabellernens ist dabei Gegenstand der Diskussion.

In deutschen Klassenzimmern (auch bei Sprachschulen) trifft man darüber hinaus häufig auf das Gegenstück, das intensive Lesen. Dabei handelt es sich um langsames und ausführliches Lesen. Meistens werden in diesem Zusammenhang nur kurze und für das Sprachniveau des Lesers sehr anspruchsvolle Texte bearbeitet.

Für beide Konzepte gibt es gute Argumente und mein persönliches Fazit ist in diesem Zusammenhang: „Alles zu seiner Zeit!

Das intensive Lesen hat meines Erachtens gerade zu Beginn des Lernens seine Berechtigung und so ist unsere transREAL getaufte Lernmethode als Anwendung dieses Lesestils zu interpretieren (mehr dazu auch in unserem Coaching-Kurs, inklusive vieler Beispiele). Das langsame Lesen und die wortwörtliche Übersetzung helfen enorm, Struktur und Aufbau der Fremdsprachen zu verstehen und die entsprechenden Vokabeln werden so ebenfalls automatisch mitgelernt.

Liegt bereits ein gewisses Grundverständnis der Sprache vor, dann sollte man meiner Meinung nach auf das extensive Lesen umschwenken, denn dort ist der Lesespaß einfach wesentlich höher. Allerdings sollte man bei der Wahl der entsprechenden Lektüre einiges beachten.

Die richtige Lektüre macht den Unterschied

In dem Beitrag „Wie viele Wörter muss ich lernen, um eine Sprache fließend zu sprechen?“ haben wir in diesem Zusammenhang eine wichtige Zahl kennengelernt. Sobald Sie zwischen 90-95% des Inhaltes eines Textes verstehen, können Sie sich die restlichen 5-10% durch den Kontext selbst erschließen!

Und genau das ist der positive Effekt des extensiven Lesens!

Wie aber finden wir nun die richtige Lektüre? Grundsätzlich habe ich gute Erfahrungen gemacht, wenn ich ein Buch in der Fremdsprache lese, das ich bereits zuvor in Deutsch gelesen habe. So weiß man bereits grob, um was es geht. Dies macht das unbewusste, aus dem Kontext Erschließen, wesentlich einfacher.

Um zu prüfen, ob und wie schwierig ein Buch für mich ist, wende ich meistens die folgende Taktik an, die ich Ihnen gerne ans Herz legen möchte:

  • Schlagen Sie eine beliebige Seite des Buches auf und lesen Sie sie
  • Notieren Sie sich die Anzahl der Wörter, die Sie nicht kennen
  • Nehmen Sie sich zwei bis drei Zeilen und ermitteln Sie so, wie viele Wörter jede Zeile durchschnittlich enthält
  • Zählen Sie die Zeilen auf der Seite
  • Bilden Sie das Produkt (Mal nehmen) der durchschnittlichen Wörter pro Zeile und der Anzahl der Zeilen
  • Das Ergebnis ist ein ungefährer Wert für die Anzahl der Wörter auf der Seite
  • Rechnen Sie nun aus, wie groß der Anteil der Wörter ist, die Sie nicht verstanden haben (100 / Anzahl der Wörter pro Seite * Anzahl der unbekannten Wörter)

Die Prozentzahl, die Sie schlussendlich erhalten, sollte dann nicht größer als 10 sein. Ist sie es, scheint die Lektüre noch ein wenig zu anspruchsvoll und Sie sollten gegebenenfalls mit derselben Methode nach anderen Büchern Ausschau halten, die Ihrem Sprachniveau besser entsprechen.

Es sei denn, Sie können sich mit dem Gedanken anfreunden, elektronisch zu lesen. Denn die heutigen E-Reader haben einen großen Vorteil…

Vereinfachtes Extensive Reading dank E-Reader

Kennen Sie das? Sie lesen einen Text und müssen jedes Mal erst im Wörterbuch eine unbekannte Vokabel nachschlagen? Das stört den Lesefluss meines Erachtens ungemein. Grundsätzlich besagt das Extensive Reading natürlich, dass man einfach weiterlesen soll und unser Gehirn sich die Bedeutung des unbekannten Wortes aus dem Kontext erschließt. Wenn der vorliegende Text aber nunmal ein bisschen über Ihrem aktuellen Sprachniveau liegt, schaffen die E-Reader Abhilfe.

Doch eines vorab, ja, ich bin bekennender E-Reading Fan. Und das seit der ersten Stunde. Das heißt aber natürlich nicht, dass ich gedruckte Bücher auch nur einen Deut weniger lieb habe. Das elektronische Lesen bringt aber ein paar handfeste Vorteile mit sich und einer davon ist die Nachschlagefunktion unbekannter Wörter.

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Letzteres ist für das Lesen fremdsprachiger Texte Gold wert. Ein einfacher Klick auf das unbekannte Wort und schon erscheint die Erklärung in der Fremdsprache oder die Übersetzung, je nach Einstellung und hinterlegtem Wörterbuch. Eine kleine aber feine Funktion, die ich nicht mehr missen will.

talkREAL-Tipp! Das Feature Kindle Word Wise macht das Lesen von schwierigen Texten noch einfacher, indem es die schwierigen Wörter erklärt. Dabei werden diese Erklärungen automatisch eingeblendet, so dass der Lesefluss erhalten bleibt. Top!

Wer Gefallen am klassischen Vokabellernen findet, der wird sich auch über die Integration eines Vokabeltrainers freuen. Und dieser weiß zu gefallen. Das Schöne daran, er ist so einfach zu bedienen. Denn jedes Wort, das einmal nachgeschlagen wurde, wird direkt in den Vokabeltrainer übernommen. Dort können die unbekannten Wörter dann per Karteikartensystem eingeübt werden.

Lese-Tipp! Auf allesebook.de findest du bei Interesse mehr Informationen zur Funktionsweise des Vokabeltrainers des Kindle Paperwhite.

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Fazit – Extensive Reading als Sprachlernturbo

Lesen, Lesen, Lesen  –  Dann klappt das mit dem Sprachenlernen wie von alleine. Meines Erachtens liegt im sinnvollen Einsatz des extensiven Lesens wirklich eine große Chance, mit Spaß sein Sprachverständnis zu verbessern. Für mich ist es deswegen ein wichtiges Konzept, dass ich, wie den Aufbau des Sprachzentrums zu Beginn des Lernens, in einer späteren Phase des Sprachenlernens einbauen würde.

Der E-Reader bietet dabei mit seiner angeschlossenen Bibliothek eine gute Möglichkeit für extensives Lesen und bringt einige Vorteile mit, die für das Sprachenlernen sinnvoll sind. Ob am Ende aber nun analog oder digital gelesen wird, muss jeder für sich entscheiden.

Und zum Abschluss habe ich auch noch einen ganz besonderen Tipp für Sie, wie Sie das extensive Reading mit dem Hören der Fremdsprache verbinden können. Wie das geht, lesen Sie in dem Artikel „Kindle + Audible = Spracherfolg“ nach.

Haben Sie bereits Erfahrungen mit fremdsprachiger Literatur gemacht? Wie finden Sie persönlich das Konzept des extensiven Lesens? Wie immer freue ich mich über Ihre Antworten im Kommentar-Bereich!

Bildnachweise: © stocksnap.io/author/34619

* Krashen, S. (1989), „We Acquire Vocabulary and Spelling by Reading: Additional Evidence for the Input Hypothesis“, The Modern Language Journal 73 (4), pp. 440–464

About Christian Roth

Christian ist Gründer von talkREAL.org und YouDuApp.com. Er liebt es, mittels Technologie das Lernen zu vereinfachen. Auf talkREAL gibt Christian darüber hinaus Tipps, wie man seinen eigenen Lerntyp beim Lernen optimal berücksichtigt.

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