Extensive Reading – Viel Lesen bringt den Spracherfolg?!

tR Blog Extensive Reading BooksWirft man einen Blick in die Forschungsarbeiten vergangener Jahre, dann findet man viele Belege für die positiven Effekte des sogenannten „Extensive Reading“. Was sich hinter diesem Konzept des Lesens verbirgt und wie uns E-Reader, wie der Kindle Paperwhite, dabei unterstützen können, ist Gegenstand dieses Blog-Beitrages.

Extensive Reading … um des Lesens Willen

Unter dem Begriff des „Extensive Reading“ versteht man das Sprachenlernen durch Lesen, sehr viel Lesen. Die Idee wurde im Jahr 1989 durch die wissenschaftliche Arbeit von Stephen Krashen populär und besagt, dass wir durch extensives Lesen Vokabeln und Rechtschreibung automatisch lernen.*

Schaut man sich das extensive Reading im schulischen Kontext an, dann bedeutet es, den Schülern vorzugeben, wie viel sie in einem bestimmten Zeitraum lesen sollen. Wann genau und wo sie das tun, bleibt den Schülern jedoch vollkommen freigestellt. Dies gilt auch für die Frage, was sie lesen!

Folgt man den Befürwortern des Konzeptes (zu denen ich zugegeben auch gehöre, da ich selbst gemerkt habe, welche Vorteile es haben kann) dann bringt extensives Lesen:

  • Spaß und Freude am Lesen
  • Stärkung der sprachlichen Kompetenz
  • Erweiterung des Vokabulars sowie der Grammatikkenntnisse
  • Besseres Textverständnis

Kurz und knapp gesagt: Man lernt mit Spaß und ganz nebenbei eine neue Sprache! Genau mein Stil 🙂

Intensive Reading oder alles zu seiner Zeit

Nicht verheimlichen möchte ich an der Stelle, dass es, wie im wissenschaftlichen Diskurs üblich, auch Kritik am Konzept des „extensive Reading“ gibt. Gerade der empirische Nachweis des unterbewussten Vokabellernens ist dabei Gegenstand der Diskussion.

In deutschen Klassenzimmern trifft man darüber hinaus häufig auf das Gegenstück, das intensive Lesen. Dabei handelt es sich um langsames und ausführliches Lesen. Meistens werden in diesem Zusammenhang nur kurze und für das Sprachniveau des Lesers sehr anspruchsvolle Texte bearbeitet.

Für beide Konzepte gibt es gute Argumente und mein persönliches Fazit ist in diesem Zusammenhang: „Alles zu seiner Zeit!

Das intensive Lesen hat meines Erachtens gerade zu Beginn des Lernens seine Berechtigung und so ist die transREAL-Methode als Anwendung dieses Lesestils zu interpretieren. Das langsame Lesen und die wortwörtliche Übersetzung helfen enorm, Struktur und Aufbau der Fremdsprachen zu verstehen und die entsprechenden Vokabeln werden so ebenfalls automatisch mitgelernt.

Liegt bereits ein gewisses Grundverständnis der Sprache vor, dann sollte man meiner Meinung nach auf das extensive Lesen umschwenken, denn dort ist der Lesespaß einfach wesentlich höher. Allerdings sollte man bei der Wahl der entsprechenden Lektüre einiges beachten.

Die richtige Lektüre macht den Unterschied

In dem Beitrag „Wie viele Wörter muss ich lernen, um eine Sprache fließend zu sprechen?“ haben wir in diesem Zusammenhang eine wichtige Zahl kennengelernt. Sobald du zwischen 90-95% des Inhaltes eines Textes verstehst, kannst du dir die restlichen 5-10% durch den Kontext selbst erschließen!

Und genau das ist der positive Effekt des extensiven Lesens!

Wie aber finden wir nun die richtige Lektüre? Grundsätzlich habe ich gute Erfahrungen gemacht, wenn ich ein Buch in der Fremdsprache lese, das ich bereits zuvor in Deutsch gelesen habe. So weiß man bereits grob, um was es geht. Dies macht das unterbewusste, aus dem Kontext Erschließen wesentlich einfacher.

Um zu prüfen, ob und wie schwierig ein Buch für mich ist, wende ich meistens die folgende Taktik an:

  • Schlage eine beliebige Seite des Buches auf und lies sie
  • Notiere dir die Anzahl der Wörter, die du nicht kennst
  • Nimm dir zwei bis drei Zeilen und ermittle so, wie viele Wörter jede Zeile durchschnittlich enthält
  • Zähle die Zeilen auf der Seite
  • Bilde das Produkt (Mal nehmen) der durchschnittlichen Wörter pro Zeile und der Anzahl der Zeilen
  • Das Ergebnis ist ein ungefährer Wert für die Anzahl der Wörter auf der Seite
  • Rechne nun aus, wie groß der Anteil der Wörter ist, die du nicht verstanden hast(100 / Anzahl der Wörter pro Seite * Anzahl der unbekannten Wörter)

Die Prozentzahl, die du schlussendlich erhältst, sollte dann nicht größer als 10 sein. Ist sie es, scheint die Lektüre noch ein wenig zu anspruchsvoll und du solltest ggf. mit derselben Methode nach anderen Büchern Ausschau halten, die deinem Sprachniveau eher entsprechen.

Es sei denn, du kannst dich mit dem Gedanken anfreunden, elektronisch zu lesen. Denn die heutigen E-Reader haben einen großen Vorteil…

Dem E-Reader sei Dank

Kennst du das, wenn du einen Text liest und musst jedes Mal erst im Wörterbuch eine unbekannte Vokabel nachschlagen? Das stört den Lesefluss meines Erachtens ungemein. Und genau da schafft der E-Reader Abhilfe.

Doch eines vorab, ja, ich bin bekennender E-Reading Fan. Und das seit der ersten Stunde. Das heißt aber natürlich nicht, dass ich gedruckte Bücher auch nur einen Deut weniger lieb habe. Das elektronische Lesen bringt aber ein paar handfeste Vorteile mit sich und einer davon ist die Nachschlagefunktion unbekannter Wörter.

tR-Tipp! Das neue Feature Kindle Word Wise macht das lesen von schwierigen Texten noch einfach, in dem es die schwierigen Wörter automatisch erklärt. Top!

Letzteres ist für das Lesen fremdsprachiger Texte Gold wert. Ein einfacher Klick auf das unbekannte Wort und schon erscheint die Erklärung in der Fremdsprache oder die Übersetzung, je nach Einstellung und hinterlegtem Wörterbuch. Eine kleine aber feine Funktion, die ich nicht mehr missen will.

Die Vorteile des Kindle Paperwhite und Voyage

Diese Wörterbuch-Funktion bringen eigentlich die gängigsten E-Reader mit. Nachdem ich auf der Frankfurter Buchmesse die Chance hatte, einige dieser Geräte auszuprobieren, ist meine Wahl auf den Amazon Kindle Paperwhite gefallen.

Warum dem so ist?! Die neuste Version des E-Readers von Amazon bringt neben der genialen Beleuchtungsfunktion ein neues Software-Feature mit. Konkret handelt es sich um einen Vokabeltrainer.

Und dieser weiß zu gefallen. Das Schöne daran, er ist so einfach zu bedienen. Denn jedes Wort, das einmal nachgeschlagen wurde, wird direkt in den Vokabeltrainer übernommen. Dort können die unbekannten Wörter dann per Karteikartensystem eingeübt werden.

tR-Tipp! Auf allesebook.de findest du bei Interesse mehr Informationen zur Funktionsweise des Vokabeltrainers des Kindle Paperwhite.

Übrigens, lädt man sich ein fremdsprachiges Buch auf seinen Kindle, dann wird automatisch das entsprechende Wörterbuch heruntergeladen – kostenlos. Dies hat bei meinen Tests für Französisch, Spanisch und Italienisch hervorragend geklappt.

It’s your turn…

Der E-Reader bietet mit seiner angeschlossenen Bibliothek eine gute Möglichkeit für extensives Lesen und bringt einige Vorteile mit, die für das Sprachenlernen sinnvoll sind. Ob am Ende aber nun analog oder digital gelesen wird, muss jeder für sich entscheiden.

Meines Erachtens liegt im sinnvollen Einsatz des extensiven Lesens eine große Chance, mit Spaß sein Sprachverständnis zu verbessern. Für mich ist es deswegen ein wichtiges Konzept, dass ich, wie den Aufbau des Sprachzentrums zu Beginn des Lernens, in einer späteren Phase meines Sprachabenteuers einbaue.

Zum Abschluss die Frage in die Runde – Hast du auch bereits Erfahrungen mit fremdsprachiger Literatur gemacht? Wie findest du persönlich das Konzept des extensiven Lesens? Wie immer freue ich mich über deine Antworten im Kommentar-Bereich!



Bildnachweise: © Depositphotos.com/maglara

* Krashen, S. (1989), „We Acquire Vocabulary and Spelling by Reading: Additional Evidence for the Input Hypothesis“, The Modern Language Journal 73 (4), pp. 440–464


About Christian Roth

Christian ist Gründer von talkREAL.org und YouDuApp.com. Er liebt es, mittels Technologie das Lernen zu vereinfachen. Auf talkREAL gibt Christian darüber hinaus Tipps, wie man seinen eigenen Lerntyp beim Lernen optimal berücksichtigt.

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