Niemand macht gerne Fehler – und beim Sprachenlernen schon gar nicht. Was hast du denn davon? Du blamierst dich, du kannst dich nicht ausdrücken, du wirst ausgelacht!

Aber stimmt das wirklich?

Ich glaube persönlich nicht, dass das so ist. Meine Erfahrungen sind nämlich ganz andere. Wenn wir Ausländer auf der Straße treffen, die uns in schlechtem Deutsch etwas fragen, etwa „Du – wissen – wo – sein – die – Bahnhof?“, dann finden wir das charmant und freuen uns, dass jemand den Mut hatte, unsere Muttersprache anzuwenden. Warum also sollte umgekehrt der Italiener oder Spanier dich auslachen, wenn du einen Fehler machst?

Sicherlich finden dich die Italiener oder Spanier ebenso charmant – es kommt nur auf einen Versuch an! Und außerdem: Was ist schon dabei, wenn du einmal anstatt „il cappuccino“ „lo cappuccino“ sagst?

 

Perfektionismus adé!

Es gibt Sprachlerner, die eine Sprache nur im stillen Kämmerlein lernen und verkünden: „Wenn ich die Sprache erst einmal perfekt kann, dann werde ich schon sprechen!“ Du ahnst schon, wann das sein wird: Niemals.

Bist du in deinen anderen Lebensbereichen perfekt?

Bist du die tollste Kuchenbäckerin der Welt? Sicherlich ist deine Schwarzwälder Kirschtorte recht ansehnlich (meine wird immer leicht schief), aber so gut wie vom Café am Titisee ist sie nicht? Bestimmt hörst du jetzt nicht einfach auf, Schwarzwälder Kirschtorten zu backen, oder?

Kannst du einen Marathon in zwei Stunden laufen? Ach, du läufst gar nicht Marathon, sondern gehst „nur“ dreimal pro Woche eine Stunde laufen. Hörst du jetzt auf zu laufen, weil du dich nicht mit den besten Läufern der Welt messen kannst? Sicherlich nicht.

Ist dir eigentlich schon einmal aufgefallen, dass bei einem Laufwettbewerb nicht nur die Sieger großen Beifall bekommen? Den allergrößten Beifall erhalten meist die Teilnehmer, die als allerletzte über die Ziellinie laufen! Ausgelacht werden sie sicher nicht, blamiert haben sie sich sicher nicht!

Warum also solltest du eine Sprache perfekt können? Perfekt ist hier übrigens ein subjektiver Begriff: Es gibt Menschen, die sprechen die Sprache perfekt, wenn sie einen Kaffee bestellen können. Andere möchten über Astrophysik oder Baustile des Mittelalters diskutieren können.

Es kommt auf Perfektion überhaupt nicht an, weder beim Kuchenbacken noch beim Laufen noch beim Sprachenlernen. Viel wichtigere Eigenschaften sind der Spaß an der Sache, das Ziel, die Begeisterung und die richtige Einstellung.

 

„Aber wenn ich doch kein Talent habe …“

Sind denn alle Sprachlerner, die du vielleicht so bewunderst, sprachliche Supertalente? Mit Sicherheit nicht. Ich glaube eher, dass fehlendes Talent sehr häufig als Ausrede dient, um von der eigenen Bequemlichkeit und der eigenen nicht funktionierenden Lernmethode abzulenken.

 

Was machen also erfolgreiche Sprachlerner anders?

Erfolgreiche Sprachlerner machen alle Fehler dieser Welt. Es gab auch im Laufe ihres Lernprozesses eine Zeit, in denen sie nicht gut sprechen (oder schreiben) konnten. Allerdings haben sie sich durch diese „Fehlerzeit“ hindurchgebissen, daher scheint es jetzt so, als wären sie sprachliche Überflieger. Was sie also besser machen? Sie zeigen Eigeninitiative, Mut, Konsequenz und Leidenschaft. Und sie haben Geduld mit sich und verfolgen ein Ziel.

Das sind meiner Meinung nach die erfolgreichen Elemente des Sprachenlernens. Wenn es da bei dir hapert, bist du bei uns genau richtig: Wir helfen dir dabei, dein Sprachenlernen in die richtigen Bahnen zu lenken. Sprich uns an!

 

Gedankenspiel: Wie wird der Italiener reagieren?

Stelle dir vor, du machst in Italienisch einen Fehler. Was wird dann passieren?

Der Italiener wird deine Bemühungen zu schätzen wissen und wird dir helfen – oder würdest du das im umgekehrten Fall anders handhaben? Du würdest sicherlich niemanden auslachen oder ihm erklären, er solle erst einmal seine Grammatiklektion oder Vokabeln lernen, wenn er im Deutschen „eine Bier“ oder „ein Ball von Eis in die Waffel“ bestellt (ok, du würdest in dich hineinschmunzeln) – es hört sich doch sehr charmant an.

Zudem: Sollte der äußerst seltene Fall eintreten, dass dich jemand auslacht, dann willst du danach sowieso nichts mehr mit ihm zu tun haben!

 

Ja, aber …

„Ja, aber der Italiener wartet doch keine 5 Minuten, bis ich meinen Satz fertiggesagt habe!“ – wirst du jetzt vielleicht noch einwenden. Stelle dir hier die umgekehrte Situation vor: Du wirst von einem Italiener angesprochen, der lange braucht, um seinen Satz zu formulieren. Lässt du ihn einfach stehen? Na also! Vermutlich freust du dich darüber, dass sich jemand so viel Mühe gibt!

 

Wie verhält man sich aber bei Fehlern?

Es gibt natürlich einige Strategien, die du nutzen kannst.

Sprachen lernen. Lass dich jetzt coachen.

Bleibe risikobereit

Nur so sammelst du Erfahrungen und lernst Neues. Natürlich wirst du dabei Fehler machen, aber schaue dir einmal kleine Kinder an. Niemand würde das Laufen lernen, wenn er nicht immer wieder aufstehen würde. Wie oft sagen kleine Kinder die Wörter falsch – und eines Tages funktioniert es! Nähere dich wieder dieser Art des Lernens an.

Bitte deinen Gesprächspartner um eine Korrektur

Hier kommt es ein bisschen darauf an, wer dein Gesprächspartner ist. Du kannst sicherlich keine Korrekturen vom gestressten Busfahrer oder der entnervten Verkäuferin erwarten. Wenn du aber Freunde und Bekannte hast, die deine Lernsprache sprechen, dann bitte sie doch darum, dich zu korrigieren. Aber halt! Diese Korrekturen sollten nicht während des Gesprächs erfolgen, sonst wird dein Redefluss unterbrochen. Besser ist es, diese Korrekturen nach der Unterhaltung anzusprechen. Zudem sollten sich die Korrekturen auf die „schlimmsten“ Fehler beschränken. Dazu gehören Fehler, die das Verständnis sehr beeinträchtigen.

talkREAL Institute – Lesetipp: Richtig korrigieren ist ganz einfach. Man muss nur wissen, was man beachten muss. In dem Artikel „Richtig korrigieren, so geht’s!“ findest du alle wichtigen Informationen. Und eines vorab, du wirst überrascht sein, denn direktes Feedback, wie wir es vielleicht aus der Schule kennen, bringt nichts!

 

Schreibe deine Fehler in ein Fehlerprotokoll

Wenn du beim Lernen gerne sehr strategisch vorgehst, dann nimm dir ein Heft und führe eine Art Protokoll. Diese Technik ist auf jeden Fall allen Lernern zu empfehlen, die eine Prüfung schreiben müssen! Aber auch ohne Prüfung kannst du diese Technik gewinnbringend einsetzen. Du wirst nämlich im Laufe der Zeit feststellen, dass du immer wieder dieselben Fehler machst. Bei mir sind das beispielsweise im Spanischen die Verbformen von „ser“ und „estar“ und die beiden Präpositionen „para“ und „por“. Wenn ich also nach einiger Zeit diese Hauptfehlerquellen entdeckt habe, kann ich gezielt daran arbeiten.

Nutze jede Gelegenheit zum Sprechen oder zum Schreiben

Nur durch Anwendung der Sprache wirst du besser. Es ist wie bei allen anderen Tätigkeiten. Du wirst keinen Marathon laufen können, wenn du immer nur zum Schwimmen gehst. Du wirst keine Schwarzwälder Kirschtorte, ob schief oder nicht, backen können, wenn du ein Wein- oder Kaffeeseminar besuchst. Also wirst du die Sprache anwenden müssen, um dich zu verbessern. Ergreife jede Gelegenheit des Sprechens und Schreibens, ergreife jede Gelegenheit des Kontakts mit der Sprache! Sieh das als kostenlosen Sprachunterricht an! Du hast es überhaupt nicht nötig, dich in ein Schneckenhaus oder dein stilles Kämmerlein zurückzuziehen. Werde aktiv!

 

Du wirst feststellen, dass dir dann nicht nur die Fehler viel leichter „vom Mund“ gehen, sondern dass sich das Sprachenlernen wirklich für dich lohnt: nämlich dann, wenn du gemeinsam mit deinen italienischen Freunden zu Abend isst, wenn du mit deinem Spanischpartner Barcelona unsicher machst oder wenn du ein Geburtstagspäckchen von deiner Sprachfreundin aus Bolivien erhältst! Dann merkst du nämlich, wie schön das Lernen sein kann und welche Bereicherung es für dein Leben ist!

 

Viel Spaß beim Fehlermachen!

 

Bildnachweis: © Pixabay – NinasCreativeCorner

About Christine Konstantinidis

Autorin, Sprachlehrerin und Coach. Christine unterstützt Menschen seit Jahren beim Sprachenlernen. Passion ist Passion! Genau diese Leidenschaft plus kreative Lerntechniken bringt Christine in die Lernberatung und in die Blogartikel ein!

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