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Lesen ist unglaublich spannend und es macht Spaß, das Leseverständnis zu trainieren. Vor allem aber ist es eine Kernsäule beim Sprachenlernen, denn du wirst im Land deiner Lernsprache nur zurechtkommen, wenn du geschriebene Texte lesen kannst. Auch hier gilt, wie beim Trainieren des Hörverständnisses die Regel, dass sich auch Leseaktivitäten leicht in den Tagesablauf integrieren lassen.

Warum solltest du das Leseverständnis trainieren?

Das Leseverständnis brauchst du für jede Art von geschriebenem Text. Dabei kann es sich nur um ein Straßenschild oder einen Anschlag an einem Geschäft handeln, um Behördenbriefe, Produktinformationen oder Bücher, Zeitungen und Zeitschriften, aber auch um persönliche Nachrichten deiner Freunde. Wenn du dich also im Urlaub oder in deinem neuen Land richtig wohlfühlen möchtest, dann ist das Lesen wichtig. Schließlich benötigst du Informationen und die Menschen haben nicht immer Zeit, dir alles – vielleicht noch in deiner Muttersprache – zu erklären.

Auch hier lassen sich am schnellsten Lernerfolge erkennen, wenn du regelmäßig liest. Das Leseverständnis lässt sich nur trainieren, indem du dich mit den Materialien, welcher Art auch immer, beschäftigst. Dabei solltest du nicht gleich mit den Romanen von Umberto Eco oder den Stücken von Shakespeare anfangen, sondern dich allmählich steigern und dich vor allem nicht überfordern. Lies lieber jeden Tag einige Minuten als alle zwei Wochen zwei Stunden am Stück und wähle Material, das leicht über deinen aktuellen Fähigkeiten liegt.

Leseverständnis trainieren – zwei Möglichkeiten

Zugegeben, vieles geht im Land, dessen Sprache du lernst, einfacher. Mit ein bisschen Kreativität, kannst du all dies auch in Deutschland umsetzen. Unsere Tipps unterstützen dich dabei.

Nebenbei, während deiner Alltagstätigkeiten

Du wirst immer wieder in die Situation kommen, lesen zu müssen. Also: Warum nutzt du diese Gelegenheiten nicht, um ganz gezielt dein Leseverständnis zu trainieren? Natürlich ist das Lesen nicht so einfach während anderer monotoner Tätigkeiten auszuführen, denn auch wenn Tätigkeiten monoton sind, brauchst du dennoch meist die Augen dazu. Hier ist Multitasking vermutlich keine gute Idee. Aber es gibt andere Möglichkeiten. Hier sind einige Beispiele, wie du dein Leseverständnis trainieren kannst, wenn sich die Gelegenheiten aus Alltagssituationen heraus ergeben:

Im Supermarkt – Produkte

Im Supermarkt, Bioladen, Spezialgeschäft kaufst du sicherlich regelmäßig deine Lebensmittel ein. Du hast sicher auch schon bemerkt, dass auf den Produkten Zutatenlisten und weitere Informationen zu finden sind. Viele Menschen lesen diese Informationen wegen bestehender Allergien oder weil sie gesund leben möchten. Du liest sie – auch ohne Allergien und Gesundheitsanspruch – ab sofort wegen deiner Sprachkenntnisse. Natürlich funktioniert dies in spezialisierten Geschäften am besten, beispielsweise im Asialaden um die Ecke. Geschäfte, die auch Produkte aus dem Heimatland führen.

Im Supermarkt – Werbung und Prospekte

Du kennst sicherlich die Prospekte, die häufig sogar im Briefkasten zu finden sind. Darin wirst du informiert, welche Produkte im Angebot sind, was der Supermarkt neu in sein Sortiment aufgenommen hat, nach welchen Rezepten du mit diesen Produkten kochen kannst. All das ist ein ausgezeichnetes Sprachtraining, du kannst problemlos dein Leseverständnis trainieren und erhältst zudem auch noch einen Einblick in die Kultur eines Landes. Was könnte typischer sein als das, was die Menschen essen?

talkREAL-Tipp: Diese Werbeprospekte sind über die Webseiten der Supermärkte häufig auch online abrufbar, also auch von spanischen Supermärkten, etc.

Bei Freunden

Schaue dich, wenn du bei Freunden zu Gast bist, genau um. Welche Bücher stehen bei ihnen im Regal? Welche Zeitungen und Zeitschriften lesen sie? Wo findest du sonst noch Lesematerial? Oft sammeln Menschen Postkarten mit klugen Sprüchen und hängen diese an eine Pinnwand. Lies auch solche Informationen. Geh aber bitte nur so weit, wie es die Privatsphäre zulässt. 😉

Am Kiosk

Wenn du an einem Kiosk oder Zeitungsgeschäft vorbeiläufst, dann wirf immer mal wieder einen Blick auf die Zeitungen und Zeitschriften, die dort verkauft werden. Da die Inhalte ja täglich oder zumindest wöchentlich wechseln, wirst du eine große Auswahl an neuen Vokabeln vorfinden. Zudem hilft dir diese Tätigkeit, die Geschehnisse im Land zu verfolgen. Auf diese Art das Leseverständnis zu trainieren, funktioniert übrigens auch in deinem Heimatland, denn es gibt Buchhandlungen und Zeitungsgeschäfte mit internationaler Presse.

In den öffentlichen Verkehrsmitteln

In U-Bahnen, Straßenbahnen und Bussen findest du immer wieder (manchmal) intelligent gemachte Werbeanzeigen. Schau ab und zu einmal zu diesen Anzeigen und lies sie durch. Übrigens gibt es diese Werbeplakate auch an anderen Stellen der Stadt, beispielsweise an Straßen oder in U-Bahn-Stationen. Der praktische Nebeneffekt ist, dass du nicht nur dein Leseverständnis trainieren kannst, sondern auch noch up-to-date bist, was Veranstaltungen, neue Produkte oder angesagte Netflix-Serien betrifft.

Im Restaurant

Lies in einem Restaurant die Speisekarte, auch wenn du schon weißt, was du essen möchtest. Und lass dir unbedingt die Karte in deiner Lernsprache geben.

Leseverständnis trainieren ohne Ablenkungen

Etwas anders sind die nachfolgenden Tipps zum Leseverständnis Training. Lernt man bei den vorstehenden Empfehlungen mehr oder weniger nebenbei, so bedürfen die nachstehenden Tipps deiner vollen Aufmerksamkeit.

In der Touristeninformation

Gehe einmal in deiner Heimat- oder einer fremden Stadt in die Touristeninformation und versorge dich mit Informationen in deiner Lernsprache. In Englisch gibt es schon das meiste, häufig sind auch andere Sprachen verfügbar. Bei deiner Heimatstadt hast du den Vorteil, dich schon gut auszukennen, so verstehst du die Informationen leichter. Und wer weiß? Vielleicht bekommst du ja Lust, die aufgelisteten Sehenswürdigkeiten und Museen zu besuchen oder den neuen Wanderweg auszuprobieren? Dann ist der Wochenendausflug auch schon gesichert. Am besten machst du diesen mit deinen Freunden, die deine Lernsprache sprechen.

Im Museum

Lies die Infotafeln nicht in deiner Mutter-, sondern deiner Lernsprache. Da du das Museum ja besuchst, da es dich interessiert, werden dich auch die Informationen interessieren, die du dort erhältst. Also: Versuche im Museum, so viele Informationen wie möglich zu erhalten.

WhatsApp

Hast du einen Sprachpartner oder Freunde im Ausland? Dann tauscht unbedingt eure Handynummern aus und kommuniziert regelmäßig über WhatsApp. Eine Nachricht ist schnell geschrieben und dein Freund freut sich, dass du dich gemeldet hast.

Lies Untertitel bei Filmen

Schaust du auch Netflix- oder Sky-Serien? Wie wäre es, diese mit Untertitel anzuschauen? Den Tipp gab es auch schon beim Hörverständnis , aber heute gilt alles anders herum. Lies die Untertitel mit und konzentriere dich auf die Wortwahl, den Satzbau, die Zeiten usw.

Lies auf einem Kindle oder einem anderen E-Book-Reader

Ich weiß, dass viele Menschen den Geruch von Büchern brauchen. Zudem empfinden sie es als angenehm, ein Buch in der Hand zu halten. Das geht mir auch so, aber auch ich habe einen Kindle Paperwhite – und ich würde ihn nicht mehr hergeben! Für fremdsprachige Bücher ist er ideal, denn du kannst unbekannte Vokabeln in den integrierten Wörterbüchern nachschauen und die WordWise-Funktion nutzen. Informationen zu dieser WordWise-Funktion und wie du damit sinnvoll lernen kannst, findest du in unseren SprachHACKS, unter anderem dem GeheimwaffenHACK.

Kaufe dir eine Zeitschrift zu deinem Hobby

Du gehst für dein Leben gern angeln? Du liebst es, zu kochen? Du verreist leidenschaftlich gerne? Dann kaufe dir, damit du mit interessantem Material dein Leseverständnis trainieren kannst, doch Zeitschriften, die sich mit deinem Hobby beschäftigen. Angel-, Koch- und Reisezeitschriften gibt es in nahezu jeder Sprache. Auch in deinem Heimatland kannst du sie kaufen – in internationalen Zeitungsgeschäften. Zudem gibt es das Portal Zinio, dort kannst du dir die Zeitschriften auch auf deinen Computer holen, als E-Abo. Und das Beste: Günstig ist das auch noch!

Lies Blogartikel zu deinem Beruf

Bist du Ingenieur und möchtest dich weiterbilden? Interessieren dich Organisationsmethoden oder Homöopathie? Liest du gerne über Politik, Wirtschaft und Finanzen? Es gibt zahllose, sehr gut geschriebene Blogs zu diesen Themen. Stöbere im Internet, indem du in die Suchleiste bei Google (oder einer anderen Suchmaschine) dein Schlagwort und das Wort „Artikel“ oder „Blog“ eingibst und dich überraschen lässt, was du alles findest. Am besten legst du dir in einem Organisationsprogramm wie Notion oder Evernote eine Rubrik an, in der du diese Artikel ablegst. Dann hast du, wenn du dein Leseverständnis trainieren willst, immer genügend Material.

Lies Artikel und Blogbeiträge, die dir deine Sprachpartner schicken

Wir hatten schon über WhatsApp gesprochen. Wenn du einen Sprachpartner hast, dann bitte ihn, dir ab und zu Artikel aus dem Internet vorzulesen und dir den Link mitzuschicken. Diese Aufnahmen können leicht über WhatsApp erstellt und verschickt werden. Auch du kannst für deinen Partner Texte lesen, vielleicht sogar in deiner Lernsprache. So erhältst du eine fundierte Aussprache-Korrektur. Und: Texte können nur gut vorgelesen werden, wenn man sie verstanden hat. Wofür ist der mitgeschickte Link gut? Darüber kannst du die schriftliche Form des Textes abrufen und mitlesen. Beides ist natürlich eine tolle Grundlage für unsere transREAL-Methode.

Kaufe dir Reiseführer in deiner Lernsprache

Normalerweise kauft man Reiseführer in der Muttersprache, richtig? Du machst das ab sofort anders. Kaufe dir Reiseführer in deiner Lernsprache – und du wirst noch eine erstaunliche Entdeckung machen: Häufig findest du in Reiseführern, die in der Sprache des Landes geschrieben sind, viel tollere Tipps als in den Reiseführern für die typischen Touristen. Sei neugierig und probiere es aus!

Der SprachlernHACK von talkREAL

Wenn du langfristige Motivation zum Lesen (oder einer anderen Tätigkeit) brauchst, dann probiere den xHACK aus. Dabei handelt es sich um ein sehr motivierendes Tool, welches dich dazu bringt, regelmäßig dein Leseverständnis zu trainieren. Schließlich ist das Sprachenlernen ein langfristiges Projekt, welches dich Monate oder auch Jahre begleiten wird. Daher sollten dir alle Tools willkommen sein, die deine Motivation unterstützen und die deinen Erfolg garantieren.

Wie das Tool funktioniert? Die Basis ist, 30 Tage lang täglich – ohne Ausnahme – etwas in deiner Lernsprache zu tun. In unserem Fall zielt es natürlich auf das Leseverständnis ab. Sobald du unterbrichst, fangen die 30 Tage wieder von vorne an. Ziel ist es, eine Gewohnheit zu installieren. Wie genau das alles funktioniert, erklären wir dir im xHACK oder auch im RoutinenHACK. Alles findest du hier auf der HACKlist.

Leseverständnis trainieren – ganz klassisch

Vermutlich war das Erste, woran du bei „Leseverständnis trainieren“ gedacht hast, ein Buch, richtig? Auch dein Lehrbuch, sofern du eines benutzt, beinhaltet Lesetexte. Denke auch einmal an die sogenannten „graded readers“, welche Originalbücher vereinfachen, beziehungsweise speziell für Sprachlerner einer bestimmten Niveaustufe geschrieben wurden.

Sprachen lernen. Lass dich jetzt coachen.

Wenn du Texte liest, dann höre sie auch, vielleicht mit unserer transREAL-Methode? Informationen dazu findest du in dem eigens entwickelten Kurs. Dort wird auch im Detail beschrieben, wie Christian Lernkrimis in Kombination mit der transREAL-Methode und einer Sprachlehrerin erfolgreich genutzt hat. Dies ist eine tolle Vorgehensweise, weil sie auch so viele verschiedene Sinne anspricht und wir so einfach schneller lernen!

Keine Zeit zum Lesen?

Ein paar Minuten finden sich immer. Wenn du Artikel und Material findest, die dir interessant erscheinen, du aber im Moment wirklich keine Zeit hast, dann lege dir dieses Material (den Link oder Buchtitel) in einem Organisationsprogramm ab.

Sprachkurse, die das Leseverständnis trainieren

Die meisten aktuellen elektronischen Sprachkurse haben das Lesetraining bereits integriert. Nehmen wir zum Beispiel unseren aktuellen Favoriten Mondly (zum Testbericht). Dort liest und hört man zunächst immer das Wort. Dieses wird dann in einen ganzen Satz eingebettet und auch diesen liest und hört man mehrmals. Dadurch lernt man das neue Wort gut im Kontext.

Noch einen ganzen Schritt weiter geht Rosetta Stone, die innerhalb ihrer Lernsuite (sie bieten weit mehr als einen reinen Sprachkurs) auch Kurzgeschichten zum Lesetraining einbinden. Und das bereits für das Anfängerniveau! Das machen sie wirklich sehr gut. (Zum Testbericht | Rosetta Stone Demo)

Jetzt bist du dran!

Wie du feststellen konntest, ist die Aufgabe „Leseverständnis trainieren“ leicht zu erfüllen. Je mehr du liest, desto mehr Freude hast du an dieser Aufgabe. Suche dir also geeignetes Lesematerial, gehe ins Museum, hole Prospekte bei der Touristeninformation, kaufe dir einen Reiseführer. Die Hauptsache ist, dass dich die Themen interessieren.

Wichtig! Versuche nicht alles auf einmal. Das überfordert uns schnell und nach einem kurzen Motivationsstrohfeuer bleibt dann meist nichts mehr. Mach es besser, indem du dir 1-2 der obigen Vorschläge raussuchst und diese mit Hilfe des xHACK langfristig umsetzt.

Wir wünschen dir viel Spaß dabei!

Christine Konstantinidis

About Christine Konstantinidis

Autorin, Sprachlehrerin und Coach. Christine unterstützt Menschen seit Jahren beim Sprachenlernen. Passion ist Passion! Genau diese Leidenschaft plus kreative Lerntechniken bringt Christine in die Lernberatung und in die Blogartikel ein!

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