Kennst du das ebenfalls? Französischunterricht in der Schule und wehe, du hast ein Verb in der falschen Form genutzt oder etwas falsch ausgesprochen. Sofort korrigierte mich seinerzeit meine Lehrerin. Was ich damals vermutete, ist heute klar, diese direkten Verbesserungen bringen nichts, sie sind sogar kontraproduktiv.

In diesem Artikel schauen wir uns an, wie wir es besser machen können. Was für den Klassenraum gilt, das gilt übrigens auch für die persönlichen Gespräche mit dem Tandem-Partner oder dem Sprachlehrer! Mit den folgenden Tipps zum „richtigen Korrigieren“ holst du einen maximalen Lerneffekt aus diesen Lernsituationen heraus.

Die direkte Verbesserung und Umformung eines Fehlers durch einen Lehrer oder aber auch durch unseren Gesprächspartner ist, was wir uns hier genauer anschauen. Beispielsweise mache ich einen Aussprache-Fehler, die Lehrkraft korrigiert mich, indem sie das Wort richtig betont ausspricht. Meist muss der Schüler dieses Wort nochmals nachsprechen. Dies klingt auf den ersten Blick einleuchtend, oder doch nicht? Ist dies überhaupt ein Problem und wenn ja, warum?

Häufigkeit der Korrekturen

Dank der Forschung von Catherine Doughty wissen wir seit Mitte der 1990er Jahre, daß sich zwischen 60 und 70% des mündlichen Feedbacks einer Lehrkraft ausschließlich auf die sofortige Fehlerverbesserung bezieht. Dies ist ein ziemlich hoher Wert und so sollte diese Vorgehensweise doch auch sinnvoll sein?!

Geringer Nutzen der Verbesserungen

Um die Bombe gleich einmal platzen zu lassen, nein, diese Vorgehensweise schafft keinen wirklichen Lerneffekt für den Schüler. Viele Forschungsarbeiten haben sich seit Mitte der 1990er Jahre mit diesem Thema befasst (u.a. Lyster and Ranta (1997)) und sie konnten klar zeigen, dass die Schüler die sofortige Verbesserung nicht verarbeiten können und so kein langfristiger Lerneffekt eintritt!

Ob also eine Fehler-Verbesserung stattfindet oder nicht, macht keinen Unterschied. Zumindest nicht für die Frage, ob der Schüler den gleichen Fehler in der Zukunft nochmals macht. Ich finde diese Erkenntnis super spannend. Rein intuitiv vermutet man doch irgendwie, dass die Fehlerkorrekturen ihren Sinn haben, schließlich haben wir das ja so gelernt…

Zwei Gründe, warum Korrekturen nichts bringen

Der erste Grund ist recht einfach. Wenn wir gerade in der Fremdsprache sprechen, dann ist unser Arbeitsgedächtnis mit der „Produktion“ der Sprache beschäftigt und hat nicht genügend freie Kapazität, um sich im Detail mit der Korrektur zu befassen. Denn wir sind damit beschäftigt, die unterbrochene Kommunikation wieder aufzunehmen. Eine eingehendere Betrachtung des Fehlers ist allerdings notwendig, damit wir diesen in Zukunft nicht wiederholen.

Zweitens, und das ist für mich die viel wichtigere Frage, was für ein Klima erzeugen diese ständigen Verbesserungen und was machen sie mit dem Selbstvertrauen des Lernenden? An der Stelle sei erneut auf den von uns hoch geschätzten Stephen Krashen hingewiesen, der mit seiner „Affective Filter Hypothesis“ zeigt, wie Ängstlichkeit und Unbehagen die Aufnahmefähigkeit und das Lernen behindert.

Lese-Tipp! Warum Sprachunterricht nicht funktionieren kann!

Auch wenn wir auf talkREAL immer sagen, keine Angst vor Fehlern! So ist die Realität doch, dass wir alle nicht gerne auf Fehler hingewiesen werden. Je nach Klasse und Situation kann dies Ängstlichkeit erzeugen, die es aus meiner Sicht um jeden Preis zu vermeiden gilt! Sprachenlernen sollte niemals mit negativen Gefühlen verknüpft sein. Dafür ist es viel zu schön und macht viel zu sehr Spaß!

Wie es in der Forschung allerdings immer so ist, gibt es meist verschiedene Ergebnisse und so soll hier auch nicht verschwiegen werden, dass manche Forschungsarbeiten kein so eindeutiges Bild zeigen. Für uns bei talkREAL ist es aber stets wichtig, wie wir uns beim Lernen fühlen und ja, keiner von uns wird gerne korrigiert, deswegen schlagen wir einen besseren und schöneren Weg vor.

Richtig korrigieren – So funktioniert es

Hier schauen wir wieder auf die Funktionsweise unseres Gehirns. Denn es ist in der Lage, Strukturen einer Fremdsprache vollautomatisch zu extrahieren. Kleinkinder sind dafür ein super Beispiel. Sie lernen voll automatisch, wann sie welchen Artikel wie anpassen müssen, ohne auch nur einmal ein Grammatikbuch in der Hand gehabt zu haben. Sie hören schlichtweg ihren Eltern zu.

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Einen ähnlichen Effekt machen wir uns auch in Bezug auf die Korrekturen zu nutze. Wenn man beispielsweise mit einem Tandem- oder Sprachpartner spricht, kann man sich die Fehler des Partners notieren und versuchen, die richtigen Formen und Sätze in dem darauf folgenden Gespräch selbst anzuwenden. So lernt das Gehirn deines Gegenübers ganz automatisch die richtige Form und das negative Gefühl der Fehlerkorrektur bleibt aus. So ist auch die langfristige Motivation und Lust am Sprachenlernen gesichert 🙂

Praxiserfahrungen – Wie gut passt die Theorie in den Lernalltag?

Im Sprachlernalltag zeigt sich, dass a) sehr viele von den oben genannten Ergebnissen noch nie etwas gehört haben und b) sie auch gar nicht so leicht in die Praxis umzusetzen sind. Aus eigenen Tandemgesprächen kann ich sagen, es bedarf größter Konzentration, …

  • die Fehler des Sprachpartners zu erkennen,
  • sie sich entsprechend zu notieren und dann
  • in der korrigierten richtigen Form selbst anzuwenden.

Der große Vorteil ist allerdings, dass das Gespräch immer im Fluss bleibt und nicht unterbrochen wird, was ich als sehr angenehm empfinde.

Natürlich gibt es auch Situationen, da muss man die eigene Vorgehensweise bestmöglich anpassen. Nehmen wir meinen Spanischunterricht zum Beispiel. Ich spreche mit einer Lehrerin über Skype oder Appear.in und auch Adriana verbesserte mich stets direkt. Schließlich habe ich von den oben zitierten Forschungsarbeiten erzählt. Es hat ihre Lehrerdenkweise etwas herausgefordert, doch konnten wir uns auf die folgende Vorgehensweise einigen, die für uns sehr gut funktioniert.

Fall 01: Ich spreche einen korrekten spanischen Satz.

In diesem Fall bestätigt mich Adriana, damit ich weiß, dass alles gut und richtig ist. Und wer wird nicht gerne gelobt?

Fall 02: Ich mache einen Fehler.

Adriana wiederholt dann den von mir gesprochenen Satz in der korrekten Form. Es handelt sich also schon um eine Art sofortiger Korrektur. Allerdings sagt sie den ganzen Satz, so dass ich den Fehler finden muss. Des Weiteren befinden wir uns in einer sehr entspannten Situation. Es sind nur wir zwei. Ich habe also kein Gelächter oder ähnliches zu fürchten. Die angesprochenen negativen psychologischen Auswirkungen bleiben also aus.

Nimmt man die Theorie zur Hand, ist diese Vorgehensweise vielleicht nicht ganz sauber. Für uns ist es aber eine tolle Lösung. Denn gerade im Spanischen ändern sich die Verben mit jeder Person sehr stark. Dadurch wird die optimale Vorgehensweise, im späteren Gespräch die richtige Variante einfließen zu lassen, sehr schwer.

Fazit zum Thema „Richtig korrigieren“

Beim Thema „Richtig Korrigieren“ sollte das Ziel sein, den Lernenden erst in einer Phase, wenn sein Gehirn dafür aufnahmebereit ist, zu korrigieren. Ich sage also nicht, nicht korrigieren, sondern richtig und vor allem zum richtigen Zeitpunkt korrigieren!

Dies ist in oben beschriebenem Szenario des Tandem-Gesprächs mit Sicherheit leichter, als in einem Klassenraum mit 30 Schülern. Hier bleibt vielleicht die Frage, ist Sprachunterricht, wie wir ihn aus der Schule kennen, überhaupt ein geeignetes Format, Sprache zu lernen!? Ich würde das zumindest anzweifeln!

Es kann nicht sinnvoll sein, 15 mal einer falschen Aussprache eines Mitschülers und 10 anderen grammatikalischen Fehlern zuzuhören! Und nein, das ist kein Argument für die sofortige Korrektur, denn diese, so wurde gezeigt, blenden alle Schüler aus. Vielmehr sollten wir den Schülern die Möglichkeit geben, soviel wie möglich richtige Inhalte zu konsumieren! Und das wäre, neben der oben aufgezeigten zeitversetzten Verbesserung, die Korrektur, die ich mir für die Schule wünsche. Die Diskussion ist eröffnet! 🙂

 

P.S. Dieser Beitrag wurde inspiriert durch den Artikel „Six ‘useless’ things foreign language teachers do

 

Bildnachweise: © Depositphotos/SergeyNivens

Christian Roth

About Christian Roth

Christian ist Gründer von talkREAL.org und YouDuApp.com. Er liebt es, mittels Technologie das Lernen zu vereinfachen. Auf talkREAL gibt Christian darüber hinaus Tipps, wie man seinen eigenen Lerntyp beim Lernen optimal berücksichtigt.

9 Comments

  • […] Gleiches gilt für die Frage der Qualität Ihrer Sprachunterrichts, wenn Ihr Lehrer Sie immer direkt bei einem Fehler korrigiert, dann können Sie sicher sein, dass diese Lehrkraft nicht auf dem neusten Stand geeigneter Unterrichtsmethoden ist. Mehr dazu finden Sie in unserem Beitrag: „Richtig korrigieren, so geht’s!“ […]

  • […] Wir sehen dies tagtäglich in den Schulen und im Unterricht, dabei wissen wir seit einigen Jahren, dass diese direkte Verbesserung keinen positiven Effekt hat, eher im […]

  • Ania N sagt:

    Und wie soll man sonst die Fehlern vor allem bei Grammatikübungen korrigieren, wenn nicht direkt? Ich würde es gerne ganz genau wissen.

    • Hallo Ania,

      vielen Dank für deine Rückfrage. Am besten funktioniert es durch positives Vorleben und Verstärkung. Die Lehrkraft könnte also im späteren Gespräch die richtige Form benutzen und des Schülers Gehirn wird dann die unterschiedlichen Formen erkennen und über die Zeit, die richtige Form anwenden. Ganz, wie wir unsere Muttersrpache gelernt haben. Da war ja anfangs auch nicht alles richtig, aber mit der Zeit haben wir uns der richtigen Form, die unsere Eltern immer wieder nutzten, angepasst.

      Allerdings muss man dies auch immer im Kontext sehen. Wir sind ja beim talkREAL Institute sowieso keine Freunde von Grammtikübungen. Aus meiner persönlichen Sicht, haben sie im Unterricht nichts verloren. Es gibt einfach mittlerweile bessere Lernmethoden, die „hirngerechter“ sind und deswegen besser funktionieren. Die in diesem Artikel verfassten Hinweise sind also nur ein Teil einer ganzheitlichen Änderung, die es aus unserer Sicht im Fremdsprachenunterricht geben sollte.

      Viele Grüße
      cR

  • Quaki sagt:

    Warum kann man die Sachen hier nicht mal vernünftig ausdrucken? Dann könnte ich es auch mal als Gesprächsgrundlage beim Lerngespräch mit meiner Tandem-Partnerin verwenden. Da verzichten wir nämlich auf den Computer. Druckbefehl erzeugt bei Firefox als erstes zwei leere Seiten!

    • Hallo Quaki,

      ich habe es gerade einmal mit meinem Epson Drucker probiert und bei mir funktioniert es ok. Die Darstellung ist nicht 100% optimal, aber sehr gut lesbar. Zugegeben optimieren wir aber die Seite auch nicht (mehr) für den Drucker. Wir arbeiten selbst vollständig in der Cloud und versuchen uns der Umwelt zuliebe am papierlosen Büro.

      Wenn du unseren Blog-Artikel dennoch in Papierform benötigst, schlage ich vor, dass du den Text markierst, kopierst und schnell in Word (oder einem anderen Textverarbeitugnsprogramm) einfügst und auf drucken klickst. So ist eine schöne Darstellung immer gesichert.

      Ich hoffe, dieser kleine Work-Around hilft dir weiter.

      Sonnige Grüße
      cR

  • Berliner ausser Dienst sagt:

    Danke für diesen Artikel. Das habe ich gesucht.

    Habe derzeitig das aus meiner Sicht zweifelhafte Vergnügen mit einem Dozenten Englisch lernen zu müssen,
    der uns ständig ins Wort fällt um uns zu korrigieren und dadurch unseren Redefluss unterbricht.
    Das Aussprache und Grammatik korrigiert werden muss, dem bin ich mir völlig bewusst.
    Sonst lernt man es ja nicht richtig.

    Der Versuch das Problem mit diesem zu klären schlug völlig fehl, weil er nur seinen Standpunkt für richtig erachtet
    und es nur seinen Weg gibt.
    Die von ihm getroffene Aussage „Ich unterrichte seit 20 Jahren so und es hat sich noch nie jemand beschwert“,
    ist in meinen Augen und nach meiner Auffassung bezeichnend.

    Nun habe ich einen Ansatz mich weiter mit diesem Thema auseinander zu setzen
    und vielleicht später nochmals mit dem Dozenten zu diskutieren,
    das es durchaus andere Möglichkeiten gibt.

    Grüße aus Berlin.

    • Hi, schön, dass ich weiterhelfen konnte. Und ja, das Problem mit uneinsichtigen Lehrkräften kenne ich leider nur zu gut. Da könnte ich einige Geschichten erzählen. Zum Beispiel auch, wenn es darum geht, dass eine Lehrkraft das Audiomaterial zu den im Unterricht durchgenommenen Texten herausgeben soll, damit der Schüler unsere transREAL Technik anwenden kann. Da hat man manchmal das Gefühl, dass die Lehrer Angst haben, das Kind könnte was lernen. Glücklicherweise sind aber nicht alle so. LG cR

  • Sebastian sagt:

    Gerade das Korrigieren in einem frühen Stadium hat ja auch eine negative psychologische Wirkung. Lernende mit schlechten Vorkenntnissen fühlen sich bestraft und Lernende mit guten Vorkenntnissen belohnt. Die einen sagen sich: Ich kann nichts. Die anderen: Ich kann schon unglaublich viel. Beides spornt nicht gerade zur Besserung der Leistung an.

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