Kennst du das? Du schaust einen Film oder liest einen Text in der Fremdsprache und du verstehst fast alles. Aber wenn es an das eigene Sprechen geht, dann scheint dein Vokabular auf ein Minimum reduziert zu sein?! Dies ist der Unterschied zwischen einem aktiven und passiven Wortschatz und genau dies ist auch das Hauptthema des dritten und letzten Blogs der Reihe rund ums hirngerechte Vokabellernen. Teil 03 – Das Langzeitgedächtnis!

Was bisher geschah…

Wir haben in den ersten beiden Artikeln dieser Blog-Reihe (zu Teil 01 | zu Teil 02) neu zu lernende Wörter durch die verschiedenen Instanzen unseres Gehirns begleitet. Du hast dabei erfahren, wie du mit der richtigen Konzentration und Aufmerksamkeit neue Vokabeln vom Ultrakurzzeitgedächtnis ins Kurzzeitgedächtnis beförderst und dort richtig abspeicherst, so dass du die gelernten Vokabeln auch wiederfindest.

Endstation Langzeitgedächtnis

Im Langzeitgedächtnis sind die zuerst ungewohnten Geräusche und wirren Buchstaben nun zu Materie, einem Eiweiß-Molekül, geworden. Wörter und Ausdrücke, die du in deiner täglichen Kommunikation nutzen kannst. Aber kannst du das wirklich?

Das Eingangs-Beispiel hat es gezeigt, es scheint einen Unterschied zwischen aktiv und passiv zu geben?! Du fragst dich vielleicht „Schon wieder?“ – Ja genau, du kennst das bereits aus dem Beitrag zur Lerndokumentation. Doch dazu später mehr.

Was es einmal ins Langzeitgedächtnis geschafft hat, bleibt auch im Langzeitgedächtnis. Allerdings erscheint es manchmal schwierig, das Gelernte auch wiederzufinden. Dies kann drei Gründe haben:

1. Negativer Stress:

Man hat alles sehr gut gelernt und dann kommt der berühmte und gefürchtete Blackout in der Prüfung. Dies hat in der Tat nichts mit fehlendem Wissen zu tun, sondern vielmehr ist die Übertragung in deinem Gehirn aufgrund des Prüfungsstresses gestört.

Dein Gehirn besteht aus Nervenzellen und Nervenfasern, die durch sogenannte Synapsen verbunden sind. Und an diesen Synapsen „funkt“ es im wahrsten Sinne des Wortes. Wird allerdings die Kommunikation zwischen Nervenzelle und -faser gestört, zum Beispiel durch stressbedingte Hormonausschüttung, dann kann die Informationsweitergabe nicht mehr funktionieren.

tR-Tipp! Abhilfe schaffen hier vor allem Entspannungsübungen und angstfreie Umgebungen.

2. Ungenauer Suchpfad:

Ein Schwerpunkt im letzten Artikel der Blog-Serie lag auf dem Suchpfad und Abrufmechanismus beim Vokabeln lernen. Aus gutem Grund, denn wissen wir nicht mehr, wo wir die Information abgelegt haben, ist sie nicht mehr aufzufinden. Wir haben also das Wissen, können es nur nicht mehr abrufen. Wie du diesem „Verschlampen“ der neugelernten Worte vorbeugst, kannst du im bereits erschienenen zweiten Teil nachlesen.

3. Passiver Speicher:

Wird Gelerntes nicht oft abgerufen, wandert es ganz unbemerkt in den passiven Speicher des Langzeitgedächtnisses. Dadurch versucht unser Gehirn, sich von allzu viel Last zu befreien. Man kann es sich ähnlich wie eine Datenauslagerung auf eine externe Festplatte vorstellen, um Platz für die wichtigen Dateien auf deinem Computer zu schaffen. Ist die Festplatte nicht angeschlossen, so kann auch nicht auf die Daten zugegriffen werden. Erst wenn der externe Speicher wieder an den PC angeschlossen wird, können die Informationen wieder abgerufen werden.

Aktiver vs. Passiver Wortschatz

Ich möchte noch einmal das „Bild“ des Wochenmarktes aus Teil 2 der Serie aufgreifen. Kannst du dir einen solchen Markt mit nur einem Stand vorstellen? So ein Mini-Markt würde wohl nur wenige Besucher anziehen.

Ähnlich ist es beim Sprachenlernen. Ein paar isolierte Wörter machen noch keine Kommunikation. Wenn sich die einzelnen Standbetreiber aber vernetzen, dann profitieren auf einmal alle davon. Es gibt ein reichhaltiges Angebot und du erhältst beim Metzger auf einmal auch ein Brötchen und am Käsestand wird mit Obst garniert.

Gib einmal das Wort „issue“ in einem Deutsch-Englischen Wörterbuch ein und du wirst verstehen, worauf ich hinaus will. Dieses Wort hat unzählige Bedeutungen in komplett unterschiedlichen Zusammenhängen. Es ist wichtig, dass du die einzelnen Wortfelder nicht gegeneinander abgrenzt, sondern diese vernetzt.

Regel 05:
Nutze unterschiedliche Wiederhol-Muster, zum Vernetzen der Wortschatzverzeichnisse.

Um diese Vernetzung optimal herzustellen, solltest du deinen Wortschatz nicht immer nach dem gleichen Muster wiederholen. Schema F führt hier nicht zum Ziel. Wiederholst du hingegen die neuen Vokabeln immer in einem anderen Zusammenhang und mit einer anderen Methode, werden die entsprechenden Wortgruppen optimal vernetzt, indem viele neue Suchpfade angelegt werden, die dabei helfen, das gesuchte Wort direkt parat zu haben.

Regel 06:
Wiederhole die neuen Vokabeln regelmäßig.

Natürlich spielt auch die Wiederholung der neuen Worte beim Vokabeln lernen eine große Rolle. Damit die neugelernten Begriffe nicht ins passive Langzeitgedächtnis ausgelagert werden, solltest du diese möglichst oft anwenden. Im Grunde schließt sich hier der Kreis zum Ultrakurzzeitgedächtnis. Denn diese Wiederholung ist nichts anderes, als den Vokabeln erneute Aufmerksamkeit zu schenken und unserem Gehirn so zu verdeutlichen, dass diese Worte wichtig sind.

Sprachen lernen. Lass dich jetzt coachen.

Die talkREAL-Methode

Die im Newsletter näher beschriebene talkREAL-Methode setzt übrigens genau an dem Punkt des aktiv-passiv Lernens an. Ziel ist es dabei, in einem ersten Schritt den passiven Wortschatz extrem aufzubauen und diesen dann Schritt für Schritt in den aktiven Sprachgebrauch zu überführen.

Dies ist einer der Gründe, warum ich das passive Lernen zu Beginn des Erlernens einer neuen Sprache sehr stark gewichte. Gegen Ende des geplanten Lernhorizonts verschieben sich die Gewichte dann und das aktive Lernen wird immer wichtiger.

Mehr dazu findest du auch im begleitenden Blog-Beitrag.

Nachschlag – Das Modell der zwei Gehirnhälften

Das in dieser Blog-Serie vorgestellte Vokabellernen basiert übrigens auf dem sogenannten Dreispeichermodell. Ebenfalls relevant ist das Modell der zwei Gehirnhälften. Dies ergänzt das meines Erachtens wichtigere Dreispeichermodell. Damit diese Blog-Reihe übersichtlich bleibt, habe ich mich dafür entschieden, das Modell der zwei Gehirnhälften demnächst im Newsletter genauer zu behandeln. Wenn du dich dafür interessierst, dann kannst du dich nebenstehend für den talkREAL Newsletter anmelden.

Effektives Vokabeln lernen – Die Regeln im Überblick

Zum Abschluss dieser Blog-Reihe, habe ich noch einmal alle Regeln übersichtlich aufgelistet:

  1. Konzentriere dich auf das neue Wort und schenke ihm Aufmerksamkeit.
  2. Lerne in Sinneinheiten.
  3. Suchpfad und Abrufmechanismus müssen mitgelernt werden.
  4. Ordne deinen Wortschatz thematisch.
  5. Nutze unterschiedliche Wiederhol-Muster zum Vernetzen der Wortschatzverzeichnisse.
  6. Wiederhole die neuen Vokabeln regelmäßig.

tR-Tipp! Nutze diese Liste als Erinnerung. Drucke sie aus oder kopiere sie und stelle sicher, dass du sie immer verfügbar hast, wenn es ans Lernen geht. So wirst du immer effektiv Vokabeln lernen!

It’s your turn…

Du hast eine Idee für die perfekte Anwendung? Lass es und im Kommentar-Bereich wissen, denn ich suche auch noch nach sinnvollen Apps und Tools, die mehr oder weniger genau die hier beschriebene Vorgehensweise verwenden.

Am besten erscheinen mir momentan die Apps von Babbel. Sie verbinden audio-visuelles Vokabellernen mit einem guten Wiederhol-Manager. Leider lernt man meist nur Worte und nicht ganze Ausdrücke. Was denkst du darüber?

Du hast noch Fragen zu diesem oder auch zu vielen anderen Themen rund um das Sprachenlernen? Sprich uns einfach an!

Bildnachweis: © Pixabay/PDPics

Christian Roth

About Christian Roth

Christian ist Gründer von talkREAL.org und YouDuApp.com. Er liebt es, mittels Technologie das Lernen zu vereinfachen. Auf talkREAL gibt Christian darüber hinaus Tipps, wie man seinen eigenen Lerntyp beim Lernen optimal berücksichtigt.

12 Comments

  • […] erklimmen gibt.Das könnte dich ebenfalls interessieren:Teil 02: Vokabeln lernen leicht gemachtTeil 03: Vokabeln lernen leicht gemachtDie Wahrheit über das SprachenlernenTest: “Komplettkurs Englisch zum Hören”Die […]

  • DexM23 sagt:

    Hab grad angefangen serbisch zu lernen und bin dabei auf die app von L-Lingo gestoßen, welche die Methode (Aussprache durch Muttersprachler, Schrift & Bild kombiniert) nutzt.
    Ebenso sind die Lektionen thematisch in 6-Vokabelgruppen gehalten und zu jedem gibt es einen Test in welchem die Vokabeln in kurzen Sätzen verwendet werden, so dass man sie im praktischem Gebrauch samt Grammatik erfährt.
    In dem Test muss man die Aussprache+Text, nur den Text bzw nur die Aussprache erfassen und das entsprechende Bild (Multiple Choice) anklicken.
    http://www.l-lingo.com/de/index.html

  • Renate sagt:

    Danke für die Infos.
    Ich verwende zum Vokabellernen „Anki“.
    Meistens am Tablet.
    Das Programm ist sehr variabel, man hat viele Gestaltungsmöglichkeiten, und kann damit nicht nur Vokabeln lernen.
    Mir gefällt der Quiz-Charakter, man kann thematisch mit verschiedenen Stapeln arbeiten, und es ist auch gut mit anderen Programmen vernetzt.

  • […] Ziel bei der Lernkartei-Methode ist, die zu lernenden Fakten in das Langzeitgedächtnis zu bekommen. Lernkartei-Programme basieren dabei auf zwei Prinzipien: Aktives Erinnern und […]

  • DasBuch sagt:

    Hier ist meine Methode zum Vokabellernen:

    1. Hol dir ganz viele Bücher in der Fremdsprache ( die dich interessieren )
    2. Lies
    3. Lies mehr.
    4. Beobachte wie dein Wortschatz steigt 🙂

    – Keine Vokabel-Listen o.ä. nötig 🙂

    • LOVE IT! Ja, das ist in der Tat eine sehr gute Vorgehensweise. Allerdings braucht man meist bereits ein paar Vorkenntnisse, gerade wenn es sich um fremde Zeichen handelt. Ausserdem ist es m.E. wichtig, nicht jedes unbekannte Wort nachzuschlagen, das stört den Lesefluss und macht kein Spaß. Lieber darauf vertrauen, dass wir das Wort aus dem Kontext erschließen. Dann ist dies eine sehr gute Vorgehensweise! VG cR

  • Burkhard Schneider sagt:

    Hallo, die grafische Gestaltung ist zu schön um den Text leicht lesen zu können. Der dünne Druck verbraucht beim Lesen unnötig Aufmerksamkeit und fuhrt zu schnellerer Ermüdung. Ein Fehler der mir zunehmend begegnet und dem Vorrang ästhetisierender Gestaltung vor möglichst barrierefreier Informationsübermittlung geschuldet ist. Die fettgedruckten Textteile haben das Mindestmaß an Strichstärke wenn die Regel „form follows function“ beachtet wrid.
    Mit freundlichem Gruß Burkhard Schneider

  • […] Im dritten und letzten Blog der Reihe betrachte ich den Unterschied zwischen aktiver und passiver Verfügbarkeit der Vokabeln. Darüber hinaus erfährst du die drei wichtigsten Gründe, warum du das gewünschte Wort in der Fremdsprache einfach nicht findest und was du dagegen unternehmen kannst. […]

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