Im zweiten Teil der Blog-Reihe folgen wir dem Weg neuer Wörter vom Ultrakurzzeitgedächtnis ins Kurzzeitgedächtnis (Zu Teil 01). Hier gilt es, für Ordnung zu sorgen und die neuen Vokabeln so abzulegen, dass man sie auch wiederfindet. Darüber hinaus erfährst du, warum man Ausdrücke und Sätze lernen sollte und nicht nur einzelne Worte. Teil 02 – Das Kurzzeitgedächtnis!

Nächster Halt – Das Kurzeitgedächtnis

Angekommen im Kurzzeitgedächtnis tickt die Uhr für die neu zu lernenden Vokabeln bedenklich weiter. Nicht länger als 20 Minuten kann hier eine neue Information verweilen. Denn auch hier kommen noch mehr Eindrücke an als wir eigentlich verarbeiten können.
So wird auch im Kurzzeitgedächtnis gnadenlos ausgesiebt, was unwichtig und vor allem nicht zuzuordnen ist.

Interessant ist die Frage, wie dieses „Vergessen“ eigentlich funktioniert? Die Antwort darauf ist recht einfach, denn die neue Information hat sich im Kurzzeitgedächtnis zu Materie verwandelt und diese hat schlichtweg nur eine Lebenszeit von ungefähr 20 Minuten. Um dieses fragile Gebilde in ein komplettes Eiweißmolekül zu verwandeln, bedarf es erneut zielgerichteter Aufmerksamkeit.

Die Funktionsweise des
Kurzzeitgedächtnisses

(Jetzt kann es ein wenig kompliziert werden. Aber ich hatte ja versprochen, in die Details zu gehen ;-)) Grundsätzlich hat das Kurzzeitgedächtnis eine Kapazität von sieben Chunks. Dies sind Sinneinheiten aus Worten oder ganzen Sätzen. Ein Chunk entspricht in etwa 1,5 Sekunden. Nutzt du die
Aufnahmefähigkeit deines Kurzzeitgedächtnisses voll aus, handelt es sich in Summe um maximal 10 Sekunden. Diese Gedächtnisspanne variiert allerdings von Person zu Person.

Aber was heißt das für unser Lernen? Es ist einfach nicht effizient, nur einzelne Wörter zu lernen! Dein Gehirn kann mehr. Und in der tatsächlichen Anwendung der neuen Sprache sprichst du sowieso in zusammenhängenden Ausdrücken. Das bloße Aneinanderreihen auswendiggelernter Worte klingt komisch und bringt uns nicht weiter!

Regel 02:
Lerne in Sinneinheiten.

In diesem Punkt sehe ich übrigens die größte Schwäche der meisten kommerziell verfügbaren Vokabeltrainer. Häufig werden nur einzelne Worte gelernt und nicht gleich ganze Ausdrücke.

tR-Tipp! Achte bei längeren zu lernenden Ausdrücken darauf, dass du diese im Stillen wiederholst. Das laute Aussprechen dauert länger und du läufst Gefahr, deine Gedächtnisspanne zu überschreiten.

Ordnung ist das halbe Leben – Wiederfinden gespeicherter
Informationen

Die Frage, wo die neuen Wörter gespeichert sind und wie ich diese erneut abrufe, ist elementar. Stelle dir beispielsweise einen großen begehbaren Banktresor mit hunderten von Schließfächern vor. In einem der Fächer hast du deine Wertsachen eingeschlossen. Um diese wiederzufinden, brauchst du a) die Nummer deines Schließfaches (= Suchpfad) und b) einen Schlüssel zum Öffnen des Faches (= Abrufmechanismus).

Was geschieht genau im Kurzzeitgedächtnis? Es ist dafür verantwortlich, dass die neuen Worte im späteren Langzeitgedächtnis gefunden werden. Dazu werden in diesem Schritt die oben angedeuteten Suchpfade, sprich der Weg zur Information, sowie der Abrufmechanismus festgelegt.

Regel 03:
Suchpfad und Abrufmechanismus müssen mitgelernt werden.

Klingt ein wenig
abstrakt, nicht wahr? Im Grunde ist es aber recht einfach. Erinnerst du dich noch an den Teil mit der Konzentration und der Aufmerksamkeit aus dem ersten Teil der Blog-Serie? Wir haben dabei gesehen, dass es wichtig ist, die
Worte mit (eigenen) Bildern zu belegen, vorzugsweise zusätzlich noch mit Emotionen. Genau diese sind dann auch der Schlüssel zur Vokabel. Du solltest die neuen Wörter somit innerhalb der ersten 20 Minuten erneut
wiederholen und dieselben Assoziationen erneut verwenden.

Sprachen lernen. Lass dich jetzt coachen.

tR-Tipp! Wenn du noch mehr Beispiele zum richtigen Vokabellernen wünschst, dann empfehle ich dir den talkREAL Newsletter! Dort gehe ich
noch ausführlicher auf dieses Thema ein.

Jetzt gilt es, die Worte thematisch zu ordnen und logische Zusammenhänge herzustellen. Du solltest themenverwandte Worte zusammen lernen und gemeinsam abspeichern. Stelle es dir wie einen großen Wochenmarkt vor. Du hast verschiedene Stände, die ihre Produkte anpreisen. Ein Fischstand, den Bäcker und ein Obststand. Wie oft bietet nun der Obsthändler auch Fisch an? Praktisch nie, denn dort sucht ihn schlichtweg niemand.

Regel 04:
Ordne deinen Wortschatz thematisch.

Der Aufbau und die Ordnung deines Wortschatzes entsprechen in der Regel deiner Muttersprache und deinen bisherigen Erfahrungen. Eröffne viele „Marktstände“, die alle verschiedene Themen abdecken und befülle sie nach und nach mit neuen Worten, ergo, baue deinen Wortschatz aus.

Für mich persönlich funktioniert die eigene Wohnung ganz gut zum Erlernen von neuen Vokabeln. Die entsprechenden Redewendungen zur Begrüßung verknüpfe ich mit meiner Haustür und entsprechenden Besuchern, die Klamotten meines Kleiderschrankes nutze ich, um Farben zu lernen, usw.

Vokabeln lernen leicht gemacht – Fortsetzung folgt…

Ein weiterer Schritt liegt noch vor unseren neuen Wörtern – das Langzeitgedächtnis!

Im dritten und letzten Blog der Reihe betrachte ich den Unterschied zwischen aktiver und passiver Verfügbarkeit der Vokabeln. Darüber hinaus erfährst du die drei wichtigsten Gründe, warum du das gewünschte Wort in der Fremdsprache einfach nicht findest und was du dagegen unternehmen kannst.

Na, schon Lust auf Sprache bekommen? Wir bieten dir Sprachberatungen und auch einen Lerntypentest an. Sprich uns einfach an.

 

Bildnachweis: © Pixabay/PDPics

Christian Roth

About Christian Roth

Christian ist Gründer von talkREAL.org und YouDuApp.com. Er liebt es, mittels Technologie das Lernen zu vereinfachen. Auf talkREAL gibt Christian darüber hinaus Tipps, wie man seinen eigenen Lerntyp beim Lernen optimal berücksichtigt.

13 Comments

Schreibe einen Kommentar