Erfahrungsbericht Japanischlernen

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Titelbild: © Depositphotos.com/platongkoh01

Japan – das Land der aufgehenden Sonne. Fasziniert hat es mich schon immer, der Kontrast zwischen schrillen Großstädten und unberührter Natur. Die Kultur Japans unterscheidet sich stark von unseren westlichen; von der Sprache ganz zu schweigen.

In diesem Artikel benenne ich alles, was ich vor dem Japanischlernen gerne gewusst hätte, verrate Tipps und Tricks und erzähle, warum es sich lohnt, eine der schwersten Sprachen der Welt zu lernen.

Warum lerne ich Japanisch?

Eine Reise nach Japan ist schon lange mein Traum. Doch um Japan wirklich zu erleben, braucht es mehr als nur einen Kurzurlaub in Tokyo! Für alles darüber hinaus stellt sich allerdings ein Hindernis in den Weg: die wenigsten Japaner außerhalb der großen Städte können mehr als nur ein paar Worte Englisch sprechen.

Somit war es nötig, zumindest Grundkenntnisse in der japanischen Sprache zu erlangen. Tatsächlich hat mir das Lernen aber letztendlich so viel Spaß gemacht, dass ich es nicht bei ein paar Sätzen für eine Urlaubskonversation belassen wollte.

Japanisch verstehen: Die Sprache

Beim Japanischlernen sollte man sich unbedingt einige Dinge bewusst machen, über die ich im Nachhinein gerne vor dem Lernen im Klaren gewesen wäre. Prinzipiell ist es immer wichtig, eine Sprache zu verstehen und sich mit ihren Ansätzen und Konzepten vertraut zu machen. Nur so kann man wirklich lernen, die Sprache auch frei anzuwenden, und nicht nur auswendig Gelerntes zu reproduzieren.

“Eine der schwersten Sprachen der Welt“

Das hört man oft, wenn man das Japanischlernen angeht. Und das zu Recht: Neben den üblichen Hindernissen beim klassischen Lernen einer Fremdsprache wie etwa fremder Grammatik und ewigem Vokabelpauken, gibt es beim Japanischlernen noch deutlich mehr zu beachten:

Die Probleme fangen schon an, wenn man gelernte Worte und Phrasen richtig anwenden soll. So gibt es in Japan mehr als 6 verschiedene Wörter für „Ich“, die je nach Geschlecht und sozialem Rang von unterschiedlichen Personen genutzt werden. Es ist hilfreich, sich solche Unterschiede klar zu machen, um die richtige Anwendung gleich mit der Übersetzung eines Wortes zu lernen.

Die Sprache hat es tatsächlich in sich – aber wieso eigentlich?

Genauso verwirrend geht es auch bei der Grammatik weiter: so gibt es im Japanischen zum Beispiel keine Satzzeichen außer einem Punkt. Statt Ausrufe- oder Fragezeichen verwendet man die Silben „yo“ und „ka“ am Ende eines Satzes, dahinter folgt ein Punkt. So weiß man bis zum letzten Wort nicht einmal, ob es sich um eine Frage oder eine Aussage handelt. Hier ist Umdenken nötig!

talkREAL-Tipp!: Eine gute Möglichkeit, sich solche Differenzen anzueignen, ist das Prinzip unserer transREAL-Methode: damit lernt man die Sprache in verschiedenen Schritten von Grund auf zu verstehen. Mir persönlich hat diese Methode sehr geholfen, die Sprache schneller und sicherer anzuwenden. So konnte ich mich bereits im ersten halben Jahr mit Muttersprachlern zu unterhalten. Ausprobieren lohnt sich!

transREAL-Regeln in der Praxis

Wer sich schon genauer mit der transREAL-Methode auseinander gesetzt hat, der weiß, dass es eine Regel für den ersten Schritt der 1:1 Übersetzung gibt. Diese besagt, Wörter, für die es im Deutschen keine Übersetzung gibt, einfach in der Fremdsprache zu übernehmen.

„yo“ und „ka“ sind hier zwei gute Beispiele. Es gibt keine genaue Entsprechung im Deutschen, da sie eben unter anderem darauf hinweisen, ob es sich um eine Frage handelt. Hier kann man also die entsprechenden Wörter in der Fremdsprache verwenden. Mehr dazu findest du auch in unserem eigens erstellten Bonuskurs.


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Japanisch verstehen: Die Schriftsysteme

Richtig gelesen: Schriftsysteme, nicht Schriftsystem. Im Gegensatz zu anderen Sprachen mit eigener Zeichensprache hat Japanisch nicht nur ein, sondern gleich drei verschiedene Schriftsysteme mit unterschiedlicher Funktion. Während dem Japanischlernen muss man sich früher oder später zwingend mit allen drei auseinandersetzen.

Silbenschrift: Hiragana und Katakana

Hiragana sind 46 einfache Silben, die man als ein bis zwei Buchstaben spricht. Diese sollen schnell zu schreiben und unmissverständlich erkennbar sein, daher steckt oftmals kein Design dahinter, das zum gesprochenen Laut passt (wie etwa bei Kanji). Diese muss man einfach auswendig lernen. Benutzt werden sie in der Alltagssprache in Kombination mit Kanji für Wörter mit japanischem Ursprung.

Katakana sind ebenfalls 46 Silben für die gleichen Laute. Das System funktioniert ähnlich. Man verwendet diese aber ausschließlich für Wörter oder Namen aus fremden Sprachen. Im Japanischen gibt es viele Wörter aus dem Englischen, die quasi „recyclet“ und mit japanischer Aussprache verwendet werden.

Hiragana
Hiragana-Silben und ihre Laute
Katakana
Katakana-Silben und ihre Laute

Ein Beispiel dafür: Himbeere, englisch Raspberry, im Japanischen “Ra-su-be-ri“. Wer gut Englisch kann, wird auf viele solcher Worte stoßen. Das macht das Japanischlernen dann definitiv ein wenig einfacher!

Der größte Knackpunkt: Kanji

Kanji sind komplexere Zeichen, die jeweils für ein halbes oder ganzes Wort stehen. Die Zeichen an sich sind aus dem Chinesischen übernommen und haben auch größtenteils ihre chinesische Bedeutung behalten. Im normalen Sprachgebrauch finden etwa 3000 bis maximal 5000 Kanji Gebrauch.

Kanji
Die sehr viel komplexeren Kanji-Zeichen

So weit, so gut, doch der größte Haken an der ganzen Sache kommt erst noch: Ein Kanji steht nicht unmissverständlich für ein Wort, sondern hat immer zwei Bedeutungen. Einmal die ursprüngliche Chinesische und dann noch eine zweite, die während der Entwicklung der japanischen Sprache hinzugekommen ist. Diese ist zu allem Überfluss nicht immer ein ganzes Wort, sondern manchmal auch nur ein paar Silben, die mit Hiragana oder anderen Kanji kombiniert werden müssen, um überhaupt lesbar zu sein.

Lesen statt nur Lernen

Jetzt stellt sich die Frage „Wann lese ich ein Kanji also wie?“. Dazu muss man den Kontext und die darauffolgenden bzw. voranstehenden Hiragana oder Kanji beachten. Um Japanisch lesen zu können, muss man also zwingend beide Übersetzungen lernen! Und es gibt ein weiteres Hindernis: im Japanischen gibt es keine Satzzeichen, sodass man beim Lesen eigentlich (fast) alle Wörter kennen muss, um überhaupt sagen zu können, wo ein Wort endet und ein neues anfängt.

Glücklicherweise sind die beiden Übersetzungen oft ähnlich oder gehören zumindest zum gleichen Themenbereich. Hier mal ein Beispiel: das Kanji „人“ heißt entweder „Person“, oder wird in Kombination mit dem Zeichen für ein Land verwendet, um die Nationalität der betreffenden Person aufzuzeigen (z.B. „Deutscher“, „Japaner“ etc. statt nur „Person“).

talkREAL-Tipp!: Wie man Kanji am besten lernt, erfährst du in einem vorherigen Beitrag dieser Serie zu Zeichensprachen. Dort geht es nicht nur ums Japanischlernen, sondern allgemein das effektive Lernen von Zeichensprachen.

Mehr als nur eine Fremdsprache

Wer Japanisch lernt, lernt mehr als nur eine Fremdsprache. In Japan sind Sprache und Kultur eng miteinander verwoben. Man lernt uralte Traditionen kennen, liest über spannende Mythologie und stolpert vielleicht sogar über sein neues Lieblingsgericht.

Aber nicht nur die Kultur ist unglaublich vielfältig und exotisch, auch die Sprache ist schon in ihren Grundzügen ganz anders aufgebaut als unsere romanischen Sprachen. Ich musste während dem Lernen oft umdenken, mich selbst neu sortieren, und vor allem scheinbar feste Regeln einer Sprache in Frage stellen. Das Japanischlernen ist so interessant und bunt wie Japan selbst.

Kein Lernprozess für Nebenbei

Selbst wer sich nicht unbedingt für Japan und dessen Kultur  interessiert, sondern sich einfach einer Herausforderung stellen möchte, wird diese beim Japanischlernen früher oder später mit Sicherheit finden.

Darin liegt aber auch schon das Problem, das vermutlich die meisten Lerner haben. Wie oben bereits konkret verdeutlicht, ist Japanischlernen bei weitem kein Zuckerschlecken. Man braucht Geduld, gedankliche Flexibilität und vor allem Interesse am Sprachenlernen. Auch ein gewisses Durchhaltevermögen ist notwendig, denn Japanisch ist keine Sprache, die man in ein paar Wochen beherrscht.

Zum Glück gibt es aber kleine Tricks, die das Sprachenlernen erleichtern: mit unseren SprachlernHACKS schaffst du dir die Struktur! Diese funktionieren übrigens nicht nur beim Japanischlernen, auch der Lernprozess aller anderen Sprachen wird damit ein wesentlich leichter.

Fazit: Japanischlernen ist eine einzigartige Challenge

Japanischlernen lohnt sich! Nicht nur die Sprache ist in ihrem Aufbau mit keiner anderen Sprache der Welt (außer Koreanisch) zu vergleichen, du wirst während dem Lernprozess auch in eine völlig andere Kultur eintauchen, die dich immer wieder neu faszinieren wird.

Jedoch ist es wichtig, sich im Klaren zu sein, dass Japanisch zu den schwersten Sprachen der Welt gehört. Das Schriftsystem wird sogar als das komplizierteste von allen angesehen. Gerade wegen der anderen Kultur gibt es auch sprachlich viele Hindernisse und Besonderheiten, die es zu beachten gilt.

Wer sich allerdings (vorher) gut informiert sowie Interesse und Geduld mitbringt, wird das Japanischlernen garantiert nicht bereuen.

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