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Sprache definiert, wer wir sind. Sprache markiert uns als zu einer bestimmten Gesellschaft gehörig. Sprache kann aber noch viel mehr. Sie verbindet und entzweit. Sie kommuniziert. Sie beeinflusst aber auch die Art, wie wir denken und uns verhalten. Glaubst du nicht? Wait and see.

Ich kenne es selbst nur zu gut, die wunderbaren kleinen Unterschiede in den verschiedenen Sprachen, die die Welt manchmal auf ganz neue Art erklären. Denn für den “Himmel” kennt man im Englischen “Heaven” und “Sky”. Eine tolle Unterscheidung, die im Deutschen leider fehlt.

Es gibt so viele dieser wundervollen Beispiele, die auch aufzeigen, wie wir durch unsere Sprachen in unserem Denken und in unserem Handeln beeinflusst werden. Im heutigen Sponsored Post der Voices-Reihe wird Christoph Neuhold dies etwas genauer untersuchen. Los geht’s.


Am Anfang steht die Muttersprache

Mit unserer Muttersprache wird uns nicht nur die Fähigkeit in die Wiege gelegt, zu sprechen und mit den meisten unserer Mitmenschen zu kommunizieren. Es werden uns unbewusst Spezifika mitgegeben, die die Muttersprache birgt – sowohl solche sprachlicher als auch kultureller Natur. Diese müssen beispielsweise von professionellen ÜbersetzerInnen stets berücksichtigt werden.

Diese Spezifika sind es auch, die uns nach gewissen Mustern denken und handeln lassen. Sie sind also kultur- und sprachabhängig.

So wird es für ein österreichisches Kind vermutlich nichts Besonderes sein, wenn es Ski sieht. Ein Kind der Aborigines hingegen wird diese zwei Bretter zu Beginn nicht deuten können und davon fasziniert sein. Das Aborigines-Kind wird auch das Wort Ski höchstwahrscheinlich noch nie gehört haben und kennt aus seiner Muttersprache kein Wort, das dem deutschen Ski entspricht.

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Sprache definiert uns

Das heißt, das Prinzip der Kulturspezifika lässt sich eins zu eins auf Sprache umlegen: Während deutschsprachige Menschen Wörter wie Kasten, Schachtel, Kiste, Karton, Loge oder Etui verwenden und damit jeweils völlig unterschiedliche Dinge meinen, ist für Englischsprachige all dies mit einem Wort zu übersetzen: box.

Während es für einen Deutschen oder eine Österreicherin von offenbar großer Wichtigkeit ist, verschiedene Wörter für alle möglichen Arten von Behältnissen zu haben, reicht es der Britin oder dem Amerikaner schon, wenn sie/er ein omnipotentes Wort für all diese Bedeutungen hat.

Dennoch gibt es für das Wort Kasten, welches im Deutschen sowohl für einen Kleider- als auch für einen Geschirrkasten stehen kann, im Englischen eindeutige Bedeutungszuweisungen:

  • mit cupboard ist ein Küchen- oder Geschirrkasten gemeint,
  • wardrobe hingegen ist der Kleiderkasten – und nur der Kleiderkasten.

Das Wort Kasten kann im Deutschen in vier verschiedenen Fällen vorkommen. Diese musstest auch du wahrscheinlich in der Schule lernen. Sei froh, dass du nicht die ungarischen Fälle lernen musstest. Im Ungarischen gibt es nämlich nicht nur vier, sondern – gelinde ausgedrückt – ein paar mehr.

Je nachdem, ob man sagen will, dass man in einem Haus drinnen, auf ein Haus zu-, von einem Haus weggeht, es umkreist, auf dem Dach steht etc., muss man im Ungarischen verschiedene Suffixe (Nachsilben) an das jeweilige Wort anhängen.

Mit dem Wort Burg kann dieses Prinzip demonstriert werden. Je nachdem, ob man in der Burg ist, in die Burg hineingeht oder aus der Burg herausgeht, braucht es unterschiedliche Formen:

  • a várban (in der Burg),
  • a várba (in die Burg hinein)
  • a várból (aus der Burg heraus)

Vár ist übrigens die Burg, die Anhänge sind die den jeweiligen „Richtungen“ bzw. Standorten (in, hinein, heraus etc.) entsprechenden Suffixe.

Für die UngarInnen ist es also sprachtechnisch durchaus von Relevanz, wo man sich in Relation zu einem Objekt befindet. Das mag für viele Deutschsprachige sehr absurd anmuten. Da erscheinen die harmlosen vier Fälle im Deutschen auf einmal wieder sehr attraktiv, oder?

Sprache macht uns (un-)emotionaler

Hast du bei dir selbst schon mal bemerkt, dass du unemotionaler bist, wenn du in einer anderen Sprache sprichst? Nein? Ist aber so.

  • Das liegt daran, dass wir bei einer Fremdsprache systematischer und rationaler ans Werk gehen. Das heißt, dass wir in einer Fremdsprache sparsamer mit Emotionen umgehen als in der Muttersprache.
  • Darüber hinaus ist uns der Umgang mit Emotionen und Gefühlen in der fremden Sprache – und somit in der fremden Kultur – meist (noch) nicht geläufig. Wir sind daher vorsichtiger, was in einer anderen Sprache ausgedrückte Emotionen angeht.
  • Leichter tun wir uns hingegen, in einer Fremdsprache zu fluchen. Hier gibt es die Hemmung nicht, die uns beispielsweise von unseren Eltern in der Muttersprache mitgegeben wurde. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir eine Art Rolle spielen, wenn wir eine andere Sprache sprechen.
  • Da erscheint es nur logisch, dass uns raues oder unemotionales Verhalten leichter fällt, wenn wir in einer Fremdsprache kommunizieren und somit für einen Moment jemand anderes sind.

Gleichermaßen kann es uns in Ekstase versetzen, wenn wir uns in einer fremden Sprache unterhalten:

  • Viele Dinge klingen gleich viel schöner und weicher in einer anderen Sprache. Wirkt Deutsch für uns oft sehr hart und unromantisch, ist Französisch beispielsweise die pure Erotik. N’est-ce pas, mes chers?
  • Während also die Muttersprache meist Mittel zum Zweck der Kommunikation ist, ist eine Fremdsprache oft auch ein Sehnsuchtsort, an dem wir jemand anderes sein können. Wir können in einer anderen Sprache also nicht nur systematischer und rationaler werden, sondern uns durchaus darin verlieren.
  • Daher ist es für viele wahrscheinlich leichter, an einem fremden Ort mit einer fremden Sprache eine Romanze zu beginnen und diese zu vergessen, sobald der Urlaub vorüber ist. Immerhin war man dort ja ein bisschen jemand anders. Diese zweite, fremdsprachige Persönlichkeit geht wahrscheinlich leichter über die Lippen – schließlich hat sie im Alltag, in der Realität nichts zu bedeuten.

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Sprache erweitert unseren Horizont

Jede neue Sprache, die du lernst, erweitert deine Sichtweise. Jede neue Sprache führt dich nämlich in einen bestimmten Kulturkreis mit all seinen Spezifika und Besonderheiten ein. Indem du in einer gewissen Sprache kommunizierst, näherst du dich ein Stück mehr den jeweiligen Menschen und ihren kulturabhängigen Anschauungen an. Also: Sprachenlernen bringts. Deshalb: Mach es! Oder wie die SpanierInnen sagen würden: ¡Hazlo!

Christian Roth

About Christian Roth

Christian ist Gründer von talkREAL.org und YouDuApp.com. Er liebt es, mittels Technologie das Lernen zu vereinfachen. Auf talkREAL gibt Christian darüber hinaus Tipps, wie man seinen eigenen Lerntyp beim Lernen optimal berücksichtigt.

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