Gibt es eine Tageszeit, die für das Sprachenlernen besonders gut ist? Inspiriert von der Umfrage unter unseren Newsletter-Abonnenten zum Zeitmanagement beim Sprachenlernen, haben wir uns dieser Frage genauer gewidmet. Eines vorab, die Frage ist schwieriger zu beantworten, als man denkt. Aber natürlich sind wir der Sachen auf den Grund gegangen und präsentieren einen Mix aus Forschungsergebnissen und Praxistipps.

Ob Morgenmensch oder Nachteule, macht es für uns einen Unterschied, wann wir uns dem Sprachenlernen widmen? Die Ergebnisse unter unseren Lesern lassen auf jeden Fall kein einheitliches Bild erkennen. Ob morgens, mittags oder abends, die talkREAL Leser lernen zu allen Tageszeiten. Da lohnt doch die Frage, wie die Forschung das sieht: Gibt es die optimale Tageszeit zum Sprachenlernen?

Was sagt die Forschung?

In Sachen Forschung ist das Bild mal leider alles andere als eindeutig. Viele verschiedene Studien weisen in verschiedene Richtungen.

Einigkeit scheint darin zu bestehen, dass die Konzentrationsfähigkeit nach dem Aufstehen am höchsten ist. Dies ist aber nicht gleichzusetzen mit dem optimalen Zeitpunkt, wenn es um das Behalten neuer Wörter geht.

Dr. Micheal Breus, Autor des Buches “The Power of When”, spricht grundsätzlich von zwei produktiven Zeiträumen, die sich am besten für das Erlernen neuer Inhalte eignen. Diese sind 10:00 bis 14:00h und 16:00 bis 22:00h. Dies ist meines Erachtens ein etwas zu weit gefasstes Ergebnis, das darauf hindeutet, dass man immer lernen sollte, außer im Mittagstief nach dem Mittagessen.

Sprachen lernen. Lass dich jetzt coachen.

Unterstützt wird die Idee des Nachmittaglernens von einer weiteren Studie, die ebenfalls nachgewiesen haben will, dass die am Nachmittag neu gelernten Inhalte am besten im Gedächtnis bleiben.

Da die Forschung in diesem Bereich ein so uneinheitliches und wenig spezifisches Bild abgibt, ist aus meiner Sicht die Arbeit von Howard Johnston von der University of South Florida am interessantesten, die sagt, dass die Zeit und der Zeiteinsatz insbesondere von den individuellen Bedürfnissen des Lernenden abhängen. Unser Mantra „Jeder lernt anders“ ist dadurch ebenfalls einmal mehr bestätigt.

Praxisergebnisse von Duolingo

Eine sehr spannende Entdeckung machte Duolingo. Denn theoretische Forschungsarbeiten sind nett, doch wesentlich interessanter sind die Daten aus der Praxis. Und bei Duolingo reden wir von vielen Millionen Datenpunkten.

Das Duolingo Team hat sich also ebenfalls der Frage angenommen, wann die beste Zeit zum Sprachenlernen ist. Es hat dabei zunächst die Lerner in verschiedene Gruppen unterteilt. In einem zweiten Schritt hat man dann den Lernerfolg der verschiedenen Gruppen verglichen.

 

 

Das Ergebnis ist dabei eindeutig. Die Sprachlerner, die man gewiss als Nachteulen bezeichnen kann, schnitten am besten ab. Insbesondere wer zwischen 22:00 und 24:00h lernt, ist langfristig beim Sprachenlernen am erfolgreichsten.

Dies wird ebenfalls durch eine 2016 veröffentlichte Studie unterstützt, die zeigen konnte, wie wichtig das Thema Schlaf beim Memorieren von neuen Wörtern ist. Wer nach seiner Lerneinheit zu Bett geht, kann sich Vokabeln langfristig besser merken.

Eigene Erfahrung und Empfehlung

Was heißt dies nun ganz konkret für unser Sprachenlernen?

Tendenz – Am Abend lernen

Wenn man alle Ergebnisse aggregiert, dann scheint es eine Tendenz zu geben, dass das Sprachenlernen am späten Abend in der Tat Vorteile bringt. Wer das in seinem Lernplan berücksichtigen kann, sollte es versuchen und prüfen, ob man sich die neuen Wörter in der Tat besser merken kann.

Finde deinen Rhythmus

Allerdings klingt dabei auch schon an, dass es meines Erachtens wichtig ist, dass ein jeder seinen Rhythmus finden sollte.
Ich werde auch in Zukunft nicht nachts lernen. Warum? Weil es einfach nicht in meine Tagesroutine passt und ich kurz vor dem Schlafengehen versuche, nicht mehr auf Bildschirme zu starren, und nun mal ein Großteil meines Sprachenlernens über mein Smartphone läuft. Außerdem möchte ich die Zeit am Abend mit meinen Lieben verbringen und Ihnen meine Aufmerksamkeit schenken.

Für mich persönlich bleibt es also dabei: „Das Sprachenlernen muss sich meinem Leben anpassen und nicht umgekehrt.“

Die Lernroutine macht den Unterschied

Die Betrachtungen von Duolingo gehen über die reine Lernzeit hinaus. So konnte man ebenfalls zeigen, wie wichtig Lernroutinen sind. Denn die „Nachteulen“ lernten auch konstanter. Wer eine Lernroutine hat und so immer zum selben Zeitpunkt und täglich lernt, der ist langfristig erfolgreicher.

Dies ist ein sehr zentrales Thema, das wir deshalb auch intensiv in unserem Coaching behandeln und konkrete Schritt-für-Schritt-Anleitungen bieten, wie man das Sprachenlernen langfristig in seinem Alltag verankert.

Jetzt mit Lernroutinen Sprache meistern

„Alltag“ ist hier auch das Stichwort. Zu einer Lernroutine gehört für mich ebenfalls, sich dem Sprachenlernen zuzuwenden, um beispielsweise „tote“ Zeit sinnvoll zu nutzen, wie etwa beim Autofahren.

Fazit – Gibt es die optimale Tageszeit zum Sprachenlernen?

Das Fazit kann hier nur lauten: Die Forschung zeigt sich bei der Frage nach der optimalen Lernzeit sehr uneinheitlich. Es gibt allerdings eine Tendenz dazu, dass die Zeit vor dem Schlafen (es kann auch ein Mittagsschlaf sein) besonders effektiv ist. Denn das eigentliche Lernen findet im Schlaf statt.

Es ist auf jeden Fall eine Frage, die sich jeder Sprachenlerner stellen sollte. Und soweit möglich, sollte man mit den eigenen Lernzeiten etwas variieren. Vielleicht findet man eine Zeit, die einfach besser passt. Einen Versuch ist es wert!

Bildnachweis: © unsplash.com/@mpho_mojapelo || Duolingo, Inc

Christian Roth

About Christian Roth

Christian ist Gründer von talkREAL.org und YouDuApp.com. Er liebt es, mittels Technologie das Lernen zu vereinfachen. Auf talkREAL gibt Christian darüber hinaus Tipps, wie man seinen eigenen Lerntyp beim Lernen optimal berücksichtigt.

Schreibe einen Kommentar