Die Sprachlern-App Drops im Test

Frau testet Drops App am Handy

Inhaltsübersicht:

Seite 01: Kurzfazit – Was wurde getestet – Umfang & Features
>> Seite 02: Didaktisches Konzept – Benutzerfreundlichkeit
Seite 03: Zielgruppe – Preis/Leistung – Alternativen – Fazit


Didaktisches Konzept: Ausgereift, aber doch veraltet

Wie gut ist die verwendete Lernmethode? Und wie gut sind die Inhalte präsentiert? Kann man damit wirklich eine Sprache lernen? Das sind die Fragen, die ich im Bereich Didaktik untersuche. Dabei zeigt sich, die App hat positive und negative Seiten im Konzept.

Drops bietet besonders für visuelle Lerntypen einen echten Mehrwert

Drops hat zu jedem Wort oder Satz ein aussagekräftiges Bild. (Ganze Sätze gibt es leider nur in der einen Rubrik namens “Redewendungen für Reisende”.) Diese Bilder sind Piktogramme und keine Fotos. Bei jedem Wort wechselt die Farbe des Hintergrundes – das empfinde ich als sehr angenehm, vor allem, weil es schöne und harmonische Farben sind.

Die Übungen in den Lektionen sind abwechslungsreich gestaltet. Mal muss man das Bild mit dem Wort verbinden, mal entscheiden, ob die Abbildung das Wort zeigt oder nicht. Mal muss man Wörter schreiben (durch Antippen der Wortelemente), mal in einem Wortgitter die Buchstaben suchen, ähnlich wie bei einem Wortsuchrätsel. Das macht das Lernen sehr abwechslungsreich, allerdings kommt man durch die vielen Wiederholungen (die für Anfänger gut sind, für Fortgeschrittene aber eventuell ein bisschen langatmig) recht langsam vorwärts. Dafür aber sitzen die Wörter dann auch – ich habe das bei Schwedisch gemerkt.

Beispiel für eine Drops Übung in der App

Es gibt auch eine Gesamtaufstellung der Vokabeln, aufrufbar je Lektion. Das macht es möglich, vor dem Lernen zu entscheiden, ob sich die Lektion lohnt oder nicht. Das ist vor allem für fortgeschrittene Lerner ein positiver Punkt.

Eine Lektion lässt sich in etwa 15 bis 20 Minuten durcharbeiten – das geht nur beim Premium-Account, denn in der freien Version sind die Lerneinheiten auf fünf Minuten begrenzt. Ich finde, 15 Minuten sind genau die richtige Länge. Aber hier gehen Meinungen auseinander. Christian bevorzugt 3-5 Minuten-Einheiten, wie sie beispielsweise Mondly bietet.

Es gibt allerdings keine Wiederholungslektionen an sich. Meiner Meinung nach ist das aber auch nicht notwendig, denn innerhalb des Lernprozesses finden etliche Wiederholungen statt, diese bedienen sich des SPS – Spaced Repetition Systems, also Wiederholungen mit zunehmenden Zeitabständen –, welches höchst anerkannt ist und auch in vielen anderen Vokabel-Apps verwendet wird. Immer vorausgesetzt, man zieht die Lerneinheiten auch durch.

Insgesamt sind die Inhalte praxisnah und alltagstauglich.


‒ Upload a language to your brain! ‒

Lernen war gestern. Heute lädt man eine Sprache
einfach ins Gehirn. Wir zeigen, wie das geht.

+++ Kein Grammatiklernen +++ Kein Vokabelpauken +++


Das besondere Feature: Drops verfügt seit einem der letzten Updates über die sogenannten Travel Talks. Hier lernst du nicht nur einzelne Vokabeln, sondern auch Ausdrücke und ganze Sätze, immer bezogen auf bestimmte Situationen. Und hier kann man auch die Sprechgeschwindigkeit herabsetzen, was großartig ist, um die genaue Aussprache zu hören.

Die didaktischen Mängel

Leider werden fast nur Einzelwörter gelernt. Das erfüllt auch den Zweck, wenn man eine Vokabel-App sucht (Tipp: Top 10 Vokabeltrainer lesen). Allerdings macht es das schwierig, die Sprache in den Alltag zu transferieren. Wortkombinationen kommen so gut wie nie vor. Es gibt lediglich einen Themenbereich, der ganze Sätze lehrt. Diesen Themenbereich findest du in den Travel Talks. Das ist zu wenig, um eine Sprache richtig zu lernen!

Die Themenübersicht in der Drops App im Test

In Schwedisch habe ich auch entdeckt, dass im Deutschen die Wörter mit Artikel abgefragt werden, im Schwedischen aber nicht. Also ergibt sich die Kombination „Das Brot – bröd“, was nicht ganz korrekt ist.

Und solche Unzulänglichkeiten können gerade bei Sprachen, die viele Anpassungen an das Geschlecht beinhalten, zum Aus für Drops führen.

Keine weiteren Lernkonzepte und keine Spracherkennung

Die App verfügt über keinerlei weitere Lernmöglichkeiten. Es gibt auf der Internetseite ein visuelles Wörterbuch, welches die Wörter als Wort und als Bild zeigt, immer in Englisch und in der Zielsprache.

Über eine Spracherkennung verfügt die App nicht. Das bedeutet, dass man die Vokabeln immer per Tipp- oder Wischbewegung eingeben muss.

Die Lektionen können nicht durch eigene Inhalte ergänzt werden. Das ist einerseits schlecht für fortgeschrittene Lerner, andererseits ist das aber auch logisch, weil die App ja von den Bildern lebt – und die sind bei eigenen Eingaben nicht zu erzeugen. Hier stößt die App auf jeden Fall an ihre Grenzen.

Gamification – Streaks sammeln

Eine Vernetzung mit anderen Lernen ist nicht möglich, denn ich kann keine Lernpartner sehen oder ihnen folgen. Das schmälert ein bisschen den Gesamteindruck, denn oft lernt man noch schnell eine Lektion, wenn man sieht, dass der Lernpartner das auch getan hat. Wer einmal Mondly ausprobiert hat, weiß, wovon ich spreche. Mondly perfektioniert das System mit Punkten und Lernpartnern und hat sich zurech unseren Testsieg als Motivationskünstler verdient.

Gamification in der Drops App durch Stähnen

Die Übungen in der Drops App sind an sich durch die Wort-Bild-Verknüpfungen schon sehr spielerisch aufgebaut, als Motivationshilfe kann aber nur der Streak erwähnt werden. Wenn man eine Lerneinheit abgeschlossen hat, wird angezeigt, wie viele Tage hindurch man schon ohne Pause gelernt hat. Das motiviert manche Lerner, ist aber in Sachen Gamification etwas dünn. Auch das macht die Konkurrenz besser.

Drops im Test: Fazit zur Didaktik

Die eingesetzten Features sind sinnvoll, allerdings vergibt sich die App einige Möglichkeiten, beispielsweise die fehlende Vernetzung mit anderen Lernern und die nicht vorhandene Möglichkeit der Spracherkennung. Im Großen und Ganzen erfüllt die App aber ihren Zweck, neue einzelne Wörter zu lernen. Aber reicht das, um eine Sprache zu sprechen? Wer talkREAL schon länger folgt, weiß, dass wir das verneinen. In Sachen Didaktik kann uns Drops nicht überzeugen, das Lernkonzept ist zu limitiert. Allerdings ist dies entscheidend für den Lernerfolg.

Benutzerfreundlichkeit: „Sehr gut“

Hier kann Drops glänzen. Schönes Design, übersichtlicher Aufbau und überschaubare Inhalte sorgen für eine einfache Bedienung.

Sowohl die App als auch die Internetseite sind sehr intuitiv aufgebaut. Man muss keine langen Anleitungen lesen, um sich zurechtzufinden. Problematisch ist meiner Meinung nach – aber das ist nur ein klitzekleiner Minuspunkt –, dass man Funktionen suchen könnte, die man von anderen Apps her kennt, die es aber bei Drops nicht gibt.

Die Tutorials sind sehr gut gestaltet. Wenn eine neue Übungsform auftaucht, wird diese vom Programm gezeigt und anschließend wiederholt man die Eingabe noch selbst. Echtes Learning-by-Doing eben.

Lediglich andere Sprachen muss man etwas suchen. So gestaltete sich die Umschaltung von einer Lernsprache auf die andere als etwas schwierig, weil die Funktion sehr versteckt ist. Das ließe sich sicherlich benutzerfreundlicher lösen.

So lernt man Japanisch im Drops Test

Man kann in der Premiumversion auch die Sitzungslänge (voreingestellt sind 15 Minuten) verändern und das manchmal etwas nervige Plopp-Geräusch und die Vibration des Handys ausschalten. Diese Funktion habe ich aber erst nach zwei Tagen gefunden.

Das Fazit für die Bedienung der Drops-App ist also: sehr intuitiv und einfach, abgesehen von der Umstellung auf die zweite Lernsprache und dem Finden der Einstellungsänderungen.

Problem, nicht lateinisches Alphabet

In Russisch – in dieser Sprache habe ich überhaupt keine Vorkenntnisse – hat mich ein bisschen irritiert, dass ich die russischen Wörter zweimal sehe, also in kyrillischer Schreibweise und dann noch einmal angepasst an das „normale“ Alphabet. Ich fände es sinnvoller, keine Hilfen zu haben, denn wenn ich nach Russland fahre, habe ich diese Hilfen auch nicht. Allerdings können diese Hilfen abgeschaltet werden. Im Bereich „Profil“ finden sich all die veränderbaren Einstellungen. Ich habe sie also ausgeschaltet.

Drops

7.3

Didaktik:

6.5/10

Benutzerfreundlichkeit:

8.5/10

Preis-Leistung:

7.0/10

Vorteile

  • Motivation durch das Erreichen von Streaks
  • Eine riesengroße Auswahl an Sprachen
  • Eine Bild-Wort-Verknüpfung zu jedem einzelnen Eintrag
  • Die Möglichkeit, die Sprechgeschwindigkeit zu verlangsamen

Nachteile

  • Nur Basisfunktionen zum Vokabellernen
  • Nicht ausreichend Lerninhalte für (weit) fortgeschrittene Lerner
  • Keine Möglichkeit der Vernetzung mit anderen Lernern
  • Undurchsichtige Preispolitik
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11 Gedanken zu „Die Sprachlern-App Drops im Test“

  1. Ich liebe diese App, man lernt wirklich gut mit der App und ich persönlich finde es lohnt sich auch Geld in die App zu investieren, weil man dadurch noch besser lernen kann und die App sich automatisch Wörter merkt, die man nicht so gut kann und dann kann man sie nochmal richtig intensiv lernen. Ich nutze diese App seit schon einem Jahr um Koreanisch lernen zu können und habe nebenbei auch Koreanisch Privatunterricht aber ohne die App wüsste ich gar nicht so viel, sie ist einfach nur ein Traum

  2. Man kann auch bei der kostenlosen Version auf alle Lektionen einer Kategorie zugreifen, jedoch nur zum nacheinander abarbeiten

    1. Hallo Elle,
      wie meinst du das genau? Bei unserem Test konnte man nicht alle Inhalte kostenpflichtig nutzen. Wie soll das gehen? Und vor allem in einem sinnvollen Zeitrahmen? Wenn ich nur 5 Minuten pro Tag lernen „darf“, ist es irgendwie sinnfrei. Da muss man dann doch zahlen…
      cR

  3. Ich mag die App auch sehr. Ich habe in der kostenfreien Version 2 Monate lang morgens und nachmittags jeweils 5 Minuten gelernt und mich über die kostenfreien, zusätzlichen Minuten gefreut. Gab es natürlich nicht immer. (europäisches Portugiesisch = alle 8 Stunden 5 Minuten frei). Nun habe ich mir ein Jahresabo geholt und ich kann während meiner gesamten Busfahrt (jeweils 30 Minuten) weiter Vokabeln lernen. Dies ist ergänzend zum Sprachkurs, wo es dann um Aussprache und Grammatik geht. Aber ich wäre vokabeltechnisch lange nicht so weit, wenn ich nicht zusätzlich den Vokabeltrainer hätte.

    Im September, so hoffe ich, werde ich dann direkt in Portugal mein Wissen 2 Wochen lang erweitern und auch dabei wird mir der große Wortschatz behilflich sein um mich aufs Lernen der Grammatik konzentrieren zu können.

  4. Ich lerne wirklich jeden Tag 5 Minuten und konnte so einen guten Basiswortschatz aufbauen. Zusammen mit einem Lehrbuch für Grammatik hab ich es nach 2 Jahren autodidaktischem Lernen jetzt in einen Fortgeschrittenenkurs geschafft. Es fehlenden die Grammatik und Wortgruppen. (Isländisch)

    1. Hallo Tina,
      wow, da hast du dir auch eine echt anspruchsvolle Sprache ausgesucht. Wenn du nun einen guten Basiswortschatz hast, dann kann ich dir nur die transREAL-Methode oder auch Extensive Reading (sh. LesenHACK) ans Herz legen. Diese Methoden könnten dein Lernen vielleicht beschleunigen und dein Niveau auf eine neue Ebene heben. (Soweit ich das ohne Kenntnis deines Lerntyps etc. beurteilen kann).
      Viele Grüße
      cR

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