Der Slogan von Mosalingua ist „Learn words, enjoy the world“. Genauso einfach ist eigentlich auch das Konzept: Ein Karteikartensystem mit einigen Zusatzfeatures. Mosalingua erhebt nicht den Anspruch, ein vollständiger Sprachkurs zu sein und das sollte man auch nicht erwarten. Die App ist dafür gemacht, möglichst viele Vokabeln auf möglichst effektive Art zu lernen. Wie das funktioniert habe ich mir im Test genauer angeschaut.

Was wird getestet

Mosalingua gibt es für sechs Sprachen. Um mir ein Bild machen zu können, habe ich eine gewählt, in der ich keine Vorkenntnisse habe (Italienisch) und eine, die ich fließend spreche (Englisch). Beide Apps habe ich auf dem Iphone getestet.

Umfang & Features: Viele Ausgangssprachen, viele Niveaus

Zwar gibt es Mosalingua nur für sechs Sprachen, dafür aber auch für verschiedene Ausgangssprachen. Außerdem gibt es einige Sprachen für spezielle Anwendungen. Gelernt werden kann Englisch, Business Englisch, Medizinisches Englisch, Englisch für den TOEFL oder TOEIC Test, außerdem Französisch, Italienisch, Spanisch, Berufsspanisch und Brasilianisches Portugiesisch. Mosalingua gibt es fürs Iphone, für Android oder als Web-Applikation. Eine Lite-Version gibt es kostenlos, wer allerdings den vollen Funktionsumfang nutzen will, ist mit 4,99€ dabei. Pakete mit 7 Sprachversionen gibt es im AppStore für 17,99€.

Didaktisches Konzept: Mit Spaced Repetition zu mehr Wortgewalt

Das didaktische Konzept liefert gleichzeitig den Namen für die Anwendung. Die MOSALearning® (Motivating Optimized System for Adaptive Learning) Methode beinhaltet Prinzipien wie das Lernen ausschließlich der wichtigsten Vokabeln (also die ca. 3000 – 6000 am häufigsten verwendeten) und einem Spaced Repetition Algorithmus. Letzerer besagt nichts anderes, als dass die Vokabeln genau dann wiederholt werden, wenn man kurz davor ist, sie zu vergessen. Mit zunehmendem Lernfortschritt werden die Abstände zwischen den Wiederholungen dabei immer größer.

mosalingua-avatar

Welche Vokabeln gelernt werden, kann man sich entweder vom System vorgeben lassen, oder man stellt sich selbst eine Liste zusammen. Dazu kann man den gesamten Fundus von ca. 3000 Karten (im Fall von Italienisch) durch verschiedene Filter durchsuchen. So kann man sich alle Vokabeln zum Thema „Transport“ anzeigen lassen, oder aber nach Niveau sortierte Listen. Ein sehr nützliches Feature ist die Möglichkeit, eigene Vokabeln hinzuzufügen, die anschließend sogar von einer synthetischen Stimme gesprochen werden. Im Falle der mitgelieferten Vokabeln sind alle durch Muttersprachler vertont, was ein weiteres Plus ist. Zu manchen Karten gibt auch Bilder, allerdings bei weitem nicht für alle.

mosalingua-vokabelkarten

Aufbau der Lektionen

Eine Lerneinheit besteht aus 4 Etappen. Schon die erste regt einen dabei zum Sprechen an. Die Vokabel wird in der Zielsprache vorgelesen und der Lernende ist dazu angehalten, das Wort zu wiederholen und sich dabei aufzunehmen. Anschließend können die beiden Aufnahmen verglichen werden und die deutsche Übersetzung angesehen werden.

Als nächstes geht es ums Auswendiglernen. Dabei geht es um klassisches Karteikartenlernen, wobei man die italienische Übersetzung zur gezeigten deutschen Vokabel finden muss. Kann man sich an eine Karte nicht erinnern, wird diese so lange wiederholt, bis man die Übersetzung kennt.

mosalingua-beispiele

Die dritte Etappe nennt sich „Schreiben“. Wirklich schreiben muss man dabei nicht, sondern die Lösung mit den vorgegebenen Buchstaben finden. Wenn man keinen Anfang findet, kann man sich vom System auch einen Tipp geben lassen, der einen den Anfangsbuchstaben verrät.

Zuguterletzt folgt die Etappe „Selbsteinschätzung“. Hierbei handelt es sich wieder um eine klassische Abfrage, allerdings muss man nun nicht nur angeben, ob man die Antwort gewusst hat oder nicht, sondern auch einschätzen, wie schwer man sich mit der Wortfindung getan hat. Diese Angabe wird dazu verwendet die Zeit bis zur nächsten Wiederholung zu bestimmen.

Die Lerninhalte

Die Vokabelkarten bestehen nicht nur aus einzelnen Wörtern, sondern oft auch aus kurzen Sätzen. Zu den ersten Karten auf Italienisch gehören beispielsweise Sätze wie „Endlich lernen wir uns kennen“ oder „Das gefällt mir“. An und für sich finde ich diesen Ansatz sehr sinnvoll, da man sich Sätze besser merken kann als isolierte Worte und diese somit gleich im Kontext lernt.

talkREAL Lese-Tipp! Wer mehr über „richtiges“ Vokabellernen erfahren möchte, ist herzlich eingeladen, die Artikel „Ist Vokabellernen sinnlos?“ und „Vokabellernen leicht gemacht!“ zu  lesen.

Was mich allerdings sehr stört ist, dass es keine Möglichkeit gibt, die Bedeutung der einzelnen Wörter eines Satzes herauszufinden. Noch problematischer wird es, wenn Sätze nicht wörtlich, sondern nur sinngemäß übersetzt sind. Der Satz „David, ti presento Julia“ wird beispielsweise mit „David, das ist Julia“ übersetzt, obwohl es wörtlich „David, ich stelle dir Julia vor“ heißen müsste. Natürlich würde das auf Deutsch niemand sagen, aber für das Verständnis für die Sprache wäre es von großem Vorteil, die wörtliche Übersetzung zu lernen, da man sonst möglicherweise Fehlschlüsse zieht, was die Bedeutung einzelner Worte angeht. Nicht umsonst ist die wortwörtliche Übersetzungstechnik transREAL ein elementarer Bestandteil unseres Sprachlerncoachings.

Positiv erwähnenswert ist, dass es zu bestimmten Vokabeln Beispielsätze gibt, die man sich auch durch eine Computerstimme vorlesen lassen kann. Außerdem kann man im Netz nach weiteren Inhalten mit diesem Wort suchen lassen, was sehr praktisch ist, allerdings eher für fortgeschrittene Nutzer.

Dialoge

In einem Untermenü versteckt, finden sich irgendwo auch einige Dialoge. Obwohl mein Avatar mir stets empfahl, ich solle mir doch einen Dialog anhören, hat es einige Zeit gedauert, bis ich diese Funktion gefunden habe (auf das Thema Nutzerführung komme ich später noch zu sprechen). Es gibt einige Dialoge, die nach Schwierigkeitsgrad sortiert sind und sich mit deutschen, italienischen oder ohne Untertitel anhören lassen. Die Texte sind außerdem bebildert, was wohl dazu führen soll, dass man den Inhalt erraten kann. Die Möglichkeit, beide Untertitel gleichzeitig anzuzeigen, gibt es leider nicht. Allerdings gibt es noch die Funktion „Karten auswendiglernen“. Dahinter findet sich der gesamte Dialog, wobei man jeden Satz zum Lernstapel hinzufügen kann und sich außerdem vorsprechen und übersetzen lassen kann. Leider ist die Funktion ziemlich versteckt und vom Handling sehr buggy.

mosalingua-dialoge

Benutzerfreundlichkeit: Das Stiefkind von Mosalingua

Der Pluspunkt, dass die Software in vielen Ausgangssprachen verfügbar ist, bringt auch Nachteile mit sich. Leider passt sich das Design nicht der Übersetzung an, was dazu führt, dass oftmals Überschriften oder Beschriftungen von Buttons, etc. halbe Sätze und Wörter enthalten, die auf Deutsch einfach zu lang sind, um sie voll darzustellen. Das macht leider einen recht unprofessionellen Eindruck.

Ein weiteres Manko ist die etwas unübersichtliche Menüführung. Im Menü „Entdecken“ (was schon mal ein ziemlich nichtssagender Titel ist) befindet sich ein ganzes Sammelsurium an Funktionen, von Dialogen, Vokabelkarten nach unterschiedlichen Kategorien sortiert oder Hilfetexte. Nicht immer ist es einleuchtend, wo man sich gerade befindet und was man hinter einem Menüpunkt zu erwarten hat. Irgendwo in den Tiefen dieses Menüs gibt es sogar ein paar Artikel zur Grammatik, die aber sehr gut versteckt sind. Interessant sind auch die vielen Hilfetexte, die einem nicht nur das Programm erklären, sondern auch die Funktionsweise des Gedächtnisses beschreiben oder Lerntipps bieten. Diese Texte müssen erst durch Lernfortschritt freigeschaltet werden und werden auch nach dem Beenden bestimmter Lektionen automatisch angezeigt.

mosalingua-zusatzmaterial

Die Lerneinheiten an sich sind klar und strukturiert aufgebaut und einfach zu bedienen. Die Grundfunktionen lassen sich also frustfrei benutzen.

Ein Pluspunkt ist die Statistik, die einem anzeigt, wie viele Karten man schon gelernt hat und wie viele davon sich bereits im Langzeitgedächtnis befinden, was die Motivation aufrecht erhält. Man kann ferner sehen, wie viele Karten bestimmter Kategorien man bereits gelernt hat. Leider konnte ich aber nirgends eine genaue Liste meiner gelernten Karten entdecken, was ich als ein großes Manko empfunden habe.

Unter dem Punkt „Rangliste“ gibt es scheinbar die Möglichkeit, seinen Lernfortschritt mit anderen zu vergleichen. Diese Funktion hat in meinem Fall allerdings nicht reagiert.

Preis / Leistung: Eine günstige Software, die hält, was sie verspricht

Der Preis für Mosalingua von einmaligen 4,99€ ist weit günstiger als bei den meisten anderen Lernprogrammen, für die man einen monatlichen Beitrag zahlen muss. Insofern ist das Preis- Leistungsverhältnis sehr gut. Allerdings muss man auch beachten, dass es sich bei Mosalingua nicht um einen vollwertigen Sprachkurs handelt sondern lediglich um einen ambitionierten Vokabeltrainer. Diesen Job erfüllt es allerdings sehr gut.

Zielgruppe: Auditiv

Die Software ist für den auditiven Lerner gut geeignet, da man sich alle Inhalte anhören kann. Der visuelle Typ kommt durch die relativ wenigen, wenig originellen Bebilderungen nicht so sehr auf seine Kosten. Gleiches gilt mangels längerer Texte auch für Lerner, deren Lerntyp in die Kategorie „Lesen / Schreiben“ fällt.

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Fazit: Mit Abstrichen empfehlenswert

Die Software hat durchaus viele gute Features, allerdings auch einige Macken. Die eigentliche Grundfunktion des Karteikartenlernens funktioniert sehr gut und bietet auch sicherlich gute Erfolgschancen, wenn man sein Vokabular ausweiten will. Vor allem die Möglichkeit, eigene Karten zu erstellen ist hier hervorzuheben. Schade ist, dass man keine Möglichkeit hat, die Bedeutung der einzelnen Worte herauszufinden, was das Erlernen ganzer Sätze erschwert.

Bei der Benutzerführung und der Gestaltung insgesamt gibt es leider deutliche Schwächen. Vom Design über die Typografie und manchem technischen Fehler bis zur Menüstruktur macht die Software den Eindruck, als wäre die Abteilung „Usability“ völlig unterbesetzt. Zwar lässt sich trotzdem mit der Mosalingua arbeiten, allerdings wird das Lernen dadurch nicht gerade erleichtert.

Bildnachweis: © Mosalingua

Mosalingua

Mosalingua
6.6666666666667

Didaktik:

8/10

    Benutzerfreundlichkeit:

    4/10

      Preis-Leistung

      9/10

        Vorteile

        • Funktionaler Übungsalgorithmus
        • Eigene Vokabelkarten erstellen
        • Vertonung durch Muttersprachler
        • Computervertonung von eigenen Vokabelkarten
        • Niedriger Preis

        Nachteile

        • Mangelhafte Benutzerfreundlichkeit
        • Fragwürdige Übersetzungen
        • Keine wortwörtlichen Übersetzungen

        About Valérie-Françoise Vogt

        Als Interaction-Designerin, Kognitionswissenschaftlerin und selbst begeisterte Sprachen-Lernerin ist Valérie immer auf der Suche nach der perfekten Sprachlern-Software.

        2 Comments

        • […] wert, in Sachen Benutzerfreundlichkeit haben wir allerdings ein paar Kritikpunkte, wie Sie in unserem Testbericht nachlesen […]

        • Holger sagt:

          Hallo,

          was Ihr über Mosalingua schreibt, kann ich bestätigen.

          Allerdings finde ich die Funktion „Freihändig“ als etwas sehr schönes, das ich noch nirgends gefunden habe.Ich lerne so nebenbei im Auto – währen ich fahre – einfach Vokabeln.
          Gibt es so etwas wo anders auch, ich habs nirgends gefunden.

          Dan wirklichen Kurs mach ich bei Babble.

          Lieber Gruß
          Holger

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