Was macht einen guten Sprachlehrer aus? Und vor allem, wie können Sie dies überprüfen? In diesem Artikel, der in Zusammenarbeit mit Christine Konstantinidis erstellt wurde, finden Sie eine Art Checklist, damit Sie Ihren, für Sie perfekten, Sprachlehrer finden.

Der Sprachlehrer und der Französischkurs

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Herr Müller und Frau Schmidt machen gemeinsam einen Französischkurs bei demselben Sprachlehrer. Beide haben schon einmal Französisch in der Schule gelernt, dann jahrelang ausgesetzt. In den kommenden Jahren möchten allerdings die beiden befreundeten Familien verstärkt Urlaub in Frankreich machen und so haben Herr Müller und Frau Schmidt beschlossen, gemeinsam einen Sprachkurs zu besuchen.

Nach einigen Stunden ist Frau Schmidt immer noch begeistert dabei, Herr Müller dagegen überlegt schon, den Kurs abzubrechen, weil er mit dem Sprachlehrer und dessen Unterricht nicht wirklich zurechtkommt. Frau Schmidt hingegen findet den Sprachlehrer ganz toll und kann die Kritikpunkte von Herrn Müller überhaupt nicht nachvollziehen.

Ein Blick auf die eigene Schulzeit zeigt ebenfalls, dass es immer wieder Lehrer gab, mit denen ich gut auskam und wieder andere, bei denen ich in der Note dramatisch absackte.

Daher stellt sich jetzt für uns die Frage, was denn den perfekten Sprachlehrer ausmacht? Sollte der Sprachlehrer…

  • Muttersprachler sein oder nicht?
  • jung, frisch und unverbraucht sein oder jemand, der auf jahrzehntelange Erfahrung zurückgreifen kann?
  • mit einem Lehrbuch nach einem festen Konzept unterrichten oder flexibel auf die Wünsche seiner Schüler oder Kursteilnehmer eingehen?
  • viele Hausaufgaben aufgeben oder eher wenige, denn, Sie als Lerner, sind ja in Ihrem täglichen Leben sowieso schon sehr beschäftigt?

In diesem Beitrag möchten wir heute auf diese Fragen eingehen und Ihnen den ultimativen Tipp geben, an dem Sie sehr leicht erkennen können, ob Sie den perfekten Sprachlehrer gefunden haben. Lassen Sie sich überraschen.

(Die hier genannten Beispiele beziehen sich größtenteils auf  klassischen Sprachunterricht. Vieles davon gilt allerdings eins zu eins für Online-Unterricht mit privatem Sprachlehrer via Skype.)

Muttersprachler oder nicht?

Der Sprachlehrer von Herrn Müller und Frau Schmidt ist ein Deutscher. Daher findet Herr Müller, dass dieser ihm nicht das Gefühl vermittelt, authentisch zu lernen. Frau Schmidt hingegen meint, dass der Französischlehrer die Lerninhalte verständlich und schülergerecht vermitteln kann, weil er den direkten Vergleich zwischen den beiden Sprachen für seine Unterrichtsvermittlung heranziehen kann.

Muttersprachler haben zwar einen Vorteil, was die Beherrschung von Vokabeln betrifft (das Vokabular von Muttersprachlern ist schier unerschöpflich), aber darauf kommt es in einem normalen Sprachkurs überhaupt nicht an. Der Lerner braucht nicht das extrem hohe Sprachniveau eines Muttersprachlers mit 20 Synonymen für das Wort „aufräumen“ oder „Haus“, sondern vielmehr verständliche Erklärungen, eine passende Ausdrucksfähigkeit für das untere und mittlere Sprachniveau und Verständnis für Ihre Probleme als Lerner.

Da der deutsche Französischlehrer Französisch ebenfalls als Fremdsprache gelernt hat, kann er sich in den Lerner besser hineinversetzen und findet leichter das richtige Sprachniveau für den jeweiligen Kurs. Ein Muttersprachler neigt häufig dazu, seine Schüler zu überschätzen, zu schnell zu sprechen und Grammatikstrukturen zu verwenden, die diese noch nicht beherrschen.

talkREAL – Tipp! Grundsätzlich halten wir es für eine gute Idee, für das untere und mittlere Sprachniveau einen Sprachlehrer zu wählen, der die Muttersprache des Lerners spricht, und für ein sehr hohes Sprachniveau einen Sprachlehrer zu buchen, der Muttersprachler in der Lernsprache ist.

Eine kleine Anmerkung am Rande: Nur weil jemand die Sprache perfekt beherrscht, also Muttersprachler ist, heißt das noch lange nicht, dass derjenige gut unterrichten kann.

Junger oder älterer Sprachlehrer?

Der Französischlehrer von Herrn Müller und Frau Schmidt ist noch relativ jung, noch nicht einmal 30 Jahre alt.

Frau Schmidt schätzt es sehr, dass dieser junge Sprachlehrer sehr viel mit den neuen Medien, wie Facebook, YouTube-Videos, Internetmaterialien und Smartphone-Apps, arbeitet. Sie findet, dass dadurch das Lernen viel interessanter gestaltet wird als in einem normalen Sprachkurs.

Herr Müller dagegen ist zehn Jahre älter als Frau Schmidt, hatte in seinem Berufsleben noch nie viel mit Computern zu tun und hat daher Berührungsängste. Wenn der Französischlehrer also von Smartphone-Apps oder YouTube-Videos spricht, überkommt ihn manchmal eine leichte Panik und er hat Angst, diesen neuen Entwicklungen nicht mehr folgen zu können.

Für Herrn Müller wäre also ein älterer Sprachlehrer, der eine klassische Methode bevorzugt, die bessere Wahl – es sei denn, Frau Schmidt, der Französischlehrer oder ein Mitglied aus Herrn Müllers Familie nimmt sich die Zeit, Herrn Müller diese Medien näher zu erklären. Dann würde auch Herr Müller feststellen, dass der Umgang mit diesen neuen Medien einfach ist, Spaß machen kann und das Lernen sehr bereichert.

Auch hier gibt es also keine klare Aussage, ob ein junger oder ein älterer Sprachlehrer zu bevorzugen ist. Damit Sie von Anfang an den richtigen Lehrer wählen, empfiehlt es sich, vorab alte Unterrichtsmaterialien anzuschauen und den Sprachlehrer direkt nach dem Unterrichtsaufbau zu fragen.

Lehrbuch oder nicht?

Hier gibt es kein gut oder schlecht. Der Französischlehrer von Herrn Müller und Frau Schmidt unterrichtet ohne Lehrbuch, er bringt also in jeder Stunde Material mit, das er selbst zusammengestellt hat. Dieses Material orientiert sich an den Wünschen seiner Teilnehmer, ist sehr abwechslungsreich und authentisch, da der Französischlehrer dieses Material aus sämtlichen Medien, die ihm zur Verfügung stehen, zusammenträgt.

Darunter befinden sich zum Beispiel Blogartikel, Buchkapitel, YouTube-Videos, selbst geschriebene Dialoge, Grammatikerklärungen in Französisch oder in der Muttersprache der Lerner (je nach Schwierigkeitsgrad), ab und zu ein Kreuzworträtsel und immer wieder schriftliche Übungen aller Art für den Unterricht und für Zuhause.

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Frau Schmidt findet diese Materialsammlungen großartig, spiegeln sie doch das heutige Frankreich mit den landeskundlichen und kulturellen Facetten wieder. Herrn Müller fehlt allerdings die Lernstruktur, er vermisst die genaue Anleitung durch einen Sprachlehrer, wie er mit dem Material umgehen soll, außerdem erhält er keine detaillierten Vokabellisten.

Jeder zweite Satz von Herrn Müller fängt an mit den Worten: „Aber in der Schule haben wir das ganz anders gemacht.“ Ihm fällt es schwer, sich auf Neues einzulassen, und daher hat er an dieser Art von Kurs nicht so viel Spaß wie Frau Schmidt.

Ob ein Lehrbuch gewünscht wird oder nicht, hängt also von der Persönlichkeit des Lerners und dessen Lerntyp ab. Wenn Sie jemand sind, der sehr strukturiert lernt und jede Etappe des Lernens dokumentiert haben möchte, sind Sie auf jeden Fall mit einem Kurs, in dem ein Lehrbuch verwendet wird, gut bedient.

talkREAL-Tipp! In dem Artikel „Fertige Sprachangebote versus eigene Inhalte“ finden Sie einen einfachen Test, mit dem Sie überprüfen können, ob Sie lieber mit vorgefertigten oder eigenen Inhalten lernen möchten.

Wenn Sie allerdings Wert auf authentische Sprache, auf landeskundliche Informationen, auf Aktualität und auf flexibles Reagieren auf Ihre Wünsche legen, dann sollten Sie einen Kurs bevorzugen, der ohne Lehrbuch arbeitet. Dann können Sie nämlich sicher sein, dass Sie perfekt für Ihren Zweck aufbereitetes Material von Ihrem Sprachlehrer erhalten, und zwar genau dann, wenn sie es brauchen.

Hausaufgaben oder nicht?

Herr Müller ist in seinem Beruf sehr eingespannt. Daher kann er sich während der Woche kaum mit Französisch beschäftigen und häufig passiert es, dass er die Tasche am Dienstagabend nach dem Unterricht in die Ecke stellt und genauso am Dienstag der folgenden Woche wieder herausnimmt, um in den Kurs zu gehen. Er beteuert immer wieder, dass er ja eigentlich viel mehr lernen würde, aber er habe ja keine Zeit. Ob diese Vorgehensweise sinnvoll ist oder nicht, sei dahingestellt.

talkREAL-Tipp! In unserem Wissenspool „Erfolgreich Sprachenlernen“ finden Sie die 3-Tage-Tagebuch-Methode! Mit deren Hilfe Sie garantiert genug Zeit finden, das Lernen in Ihren Alltag zu integrieren. Eines der besten Werkzeuge überhaupt!

Frau Schmidt dagegen beschäftigt sich mehrmals in der Woche mit ihren Lerninhalten und ist so gut wie nie ohne Hausaufgaben im Kurs anzutreffen. Sie findet es gut, dass sie vom Sprachlehrer für Zuhause einige Aufgaben bekommt, denn so steigt ihre Motivation, sich auch während der Woche mit der Sprache zu beschäftigen.

Ein guter Sprachlehrer wird sich nach der Mehrheit seiner Kursteilnehmer richten. Er wird Hausaufgaben aufgeben, diese aber nicht verpflichtend für den Kursbesuch machen.

Wer Hausaufgaben gemacht hat, wird in den Kursstunden kräftig gelobt, wer nicht, wird einfach in diesem Zeitabschnitt nicht weiter beachtet. Das ist jedermanns persönliche Entscheidung. Allerdings darf sich dann auch niemand beschweren, wenn sich der Lernerfolg etwas langsamer einstellt.

Um eine Sprache zu lernen, muss man sich mit ihr beschäftigen. Skifahren lernen Sie ja auch nicht vor dem Fernseher, oder?

Zwischenfazit – Jeder lernt / lehrt anders

Sie sehen schon, den perfekten Sprachlehrer gibt es nicht. Für den einen Lerner ist der Muttersprachler besser, für den anderen der Sprachlehrer, der die Muttersprache des Lerners spricht. Ein Lerner möchte viele Hausaufgaben haben, der andere Lerner möchte wenig Zusatzarbeiten für Zuhause und so weiter.

Glücklicherweise gibt es allerdings einige Eigenschaften, die ein guter Sprachlehrer mitbringen sollte – unabhängig von der Sprache, des Alters, der Unterrichtsstruktur oder des Medieneinsatzes.

Checklist – Was ist ein guter Sprachlehrer?

Sie wollen schnell überprüfen, ob Ihr neuer Sprachlehrer zu Ihnen passt? Dann hilft Ihnen die folgende Checklist weiter:

✓ Ansprechende Gestaltung des Unterrichts

Ein guter Sprachlehrer ist jemand, der so arbeitet, dass der Unterricht nicht nur für die Schüler ansprechend gestaltet wird, sondern auch für den Lehrer. Dann nämlich macht der Unterricht auch dem Sprachlehrer Spaß und diese Begeisterung überträgt sich auf die Schüler.

✓ Praxisorientierter Unterricht

Praxisorientierter Unterricht. Dies zeichnet unserer Meinung nach einen guten Sprachlehrer aus. Er nimmt sich, selbst wenn er nach einem Lehrbuch vorgeht, die Freiheit heraus, langweilige Lerninhalte auszulassen.

Hier einige Themen- und Diskussionsbeispiele aus Christines italienischem Sprachkurs:

  • Was ist die lebenswerteste Stadt Italiens?
  • Wie gestalten sich die Pläne zur Erhaltung der italienischen Kulturlandschaft
  • Sie hörten eine Arie von Puccini (sie wurde von Jonas Kaufmann vorgetragen und die Damen im Kurs sind nur so dahingeschmolzen!)
  • Virtuell auf einem italienischen Hotelportal ein Hotelzimmer gebucht.
  • Was suchen Spanier, Franzosen, Engländer und Deutsche am häufigsten in Google über Italien und die Italiener.

All dies sind Beispiele für wirklich praxisnahen Unterricht und Themen, die den Kursteilnehmern sehr gut gefallen. Sie sind eben sehr nützlich für das wirkliche Leben.

✓ Verständliche Sprache

Meiner Meinung nach spricht ein guter Sprachlehrer in einer verständlichen Sprache. Besonders bei der Vermittlung von Grammatik neigen viele Lehrer dazu, ein Vokabular zu verwenden, das die Teilnehmer nicht verstehen.

Nicht jeder weiß, was ein Indefinitpronomen, ein Demonstrativbegleiter oder ein Modalverb ist. Ein guter Sprachlehrer verwendet schon ab und an diese Begriffe, lässt aber sofort die Erklärung folgen und liefert im Idealfall auch einige Beispiele dazu.

✓ Genaue Beobachungsgabe (und hellseherische Fähigkeiten)

Homogene Lerngruppen sind extrem selten. Daher ist es eine herausragende Eigenschaft des Sprachlehrers, die Gruppe ganz genau zu beobachten und zu entscheiden, ob die Lerner den jeweiligen Lernschritt wirklich verstanden haben oder nicht. Hellseherische Fähigkeiten sind hier von großem Vorteil.

✓ LERNTYP

Apropos homogene Lerngruppen. Das Zwischenfazit hat es bereits gut zusammengefasst: „Jeder lehrt und lernt anders!“. Hier spielt der Lerntyp des Lernenden eine genauso große Rolle wie der des Sprachlehrers. Wenn Letzterer eher auditiv veranlagt ist und die Sprache rein über das Sprechen und Hören vermitteln möchte, dann kann dies einem visuellen Lerner sehr schwer fallen.

Ein guter Sprachlehrer kennt seinen eigenen Lerntyp und bereitet alle Inhalte immer so auf, dass möglichst alle verschiedenen Lerntypen abgeholt werden. Wer in dem Zusammenhang noch Hilfe benötigt, findet hier eine auf wissenschaftlicher Basis entwickelte Lerntypenanalyse.

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✓ Engagement

Ein guter Sprachlehrer engagiert sich über die Unterrichtszeit hinaus für seine Teilnehmer. Da in Kursen der Erwachsenenbildung meistens keine Anwesenheitspflicht herrscht, fehlen einige Teilnehmer häufig aus beruflichen oder privaten Gründen. Ein engagierter Lehrer wird Ihnen dann als Teilnehmer den „besonderen Service“ bieten und per Mail das fehlende Material nachliefern bzw. über das Unterrichtsthema informieren.

✓ Authentizität

Ein guter Lehrer ist authentisch und bringt seinen Teilnehmern die Liebe zur Sprache, zur Kultur und zum Land näher. Und dazu gibt es unseren besonderen Tipp:

Der Sprachlehrer-Test: So finden Sie ganz einfach heraus, ob Sie einen guten Sprachlehrer erwischt haben.

Stellen Sie Ihrem Sprachlehrer eine Frage zum Land Ihrer Lernsprache. Schauen Sie ihn sich genau an, wenn er Ihnen antwortet. Sehen Sie ein Leuchten in seinen Augen? Antwortet er Ihnen ganz begeistert? Falls ja, haben Sie den perfekten Sprachlehrer für sich gefunden. Dann macht ihm nämlich das Unterrichten Spaß und Sie als Teilnehmer haben einen Lehrer, dem man die Begeisterung für seinen Beruf schon an seinen glänzenden Augen ansieht.

Und genau das wünschen wir Ihnen!

 

Bildnachweis: © Flickr.com – Sebastiaan ter Burg

Christian Roth

About Christian Roth

Christian ist Gründer von talkREAL.org und YouDuApp.com. Er liebt es, mittels Technologie das Lernen zu vereinfachen. Auf talkREAL gibt Christian darüber hinaus Tipps, wie man seinen eigenen Lerntyp beim Lernen optimal berücksichtigt.

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