Duolingo im Test: Der Sprachkurs-Allrounder?

talkREAl Duolingo Review Testbild

Inhaltsübersicht:

Seite 01: Kurzfazit – Was wurde getestet – Umfang & Features
>> Seite 02: Benutzerfreundlichkeit – Didaktisches Konzept
Seite 03: Zielgruppe – Preis/Leistung – Alternativen – Fazit


Benutzerfreundlichkeit: Wie einfach ist Duolingo zu nutzen?

Einfache Handhabung und schnelles navigieren sind zentrale Punkte einer angenehmen Nutzererfahrung. Doch kann auch Duolingo damit glänzen?

Spitzenreiter in Sachen Benutzeroberfläche

Das herausstechende Merkmal von Duolingo ist das wunderschöne Design. Manchen Nutzern mag es zu verspielt und kindlich daherkommen, unbestreitbar aber ist, dass es sehr detailliert und liebevoll gestaltet ist, im Gegensatz zu manch anderer Software. Ja, Sprachenlernen24, wir meinen dich.

Bei vielen Sprachen gibt es nette Illustrationen, die allerdings nicht immer sinnvoll sind. Zum Beispiel gibt es einige verschiedene Avatare, denen die zu lernenden Sätze in den Mund gelegt werden, aber nicht immer Illustrationen von den Objekten, um die es sich im Satz handelt. So lerne ich beispielsweise „Ich esse einen Apfel“, allerdings nicht mit der Illustration von einem Apfel, sondern einer gezeichneten Person, die diesen Satz in einer Sprechblase sagt.

Duolingo Startseite
Startseite nach dem Login

Eine schöne Benutzeroberfläche macht zwar Lust aufs Lernen, ist für den tatsächlichen Lernerfolg aber doch eher irrelevant. Trotzdem setzt Duolingo viel aufs Design – auf Kosten des didaktischen Konzeptes?

App versus Web

Duolingo lässt sich online im Browser sowie auf allen gängigen Smartphone-Systemen nutzen (iOS, Android)

Die Features sind mobil und im Browser größtenteils die gleichen. Allerdings bietet die Webversion einige Features, die in der App bisher nicht enthalten sind. So hat man die Möglichkeit, eine Übersicht seiner bereits gelernten Worte zu erhalten, sowie das von Duolingo eigens erstellte (und sehr praktisch gestaltete) Wörterbuch zu nutzen.

Duolingo Maskottchen sorgt für Motivation
Maskottchen Duo sorgt für Motivation

Auch das Forum für Diskussionen rund um Sprache steht momentan nur im Internet zur Verfügung, dessen Sinn unter den Nutzern selbst allerdings ziemlich umstritten ist, da berechtigte Kritik an der Software häufiger zu Abmahnungen oder Account-Schließungen führe, was einige unserer Leser uns bestätigten.

Auf allen Plattformen ist jedoch das Herzstück, der Sprachkurs, das gleiche. Die Daten werden zudem synchronisiert, sodass man mobil fortsetzen kann, was man im Browser begonnen hat – und  andersrum.

Zusammenfassung – Duolingos Benutzeroberfläche im Test

Kaum eine andere Software zum Sprachenlernen kommt an den übersichtlichen und gut durchdachten Aufbau von Duolingo ran. Die Benutzeroberfläche ist liebevoll gestaltet und auf den ersten Blick zu verstehen.

Für kleine Lektionen zwischendurch eignet sich die mobile App-Version gut, für intensiveres Lernen und das Auskosten aller Features würde ich unbedingt die Browser-Version empfehlen. Da die App ohnehin Internetzugriff benötigt, macht dies auch keinen großen Unterschied was Schnelligkeit oder Datenverbrauch angeht.

Zudem wird zwischen den Einheiten noch regelmäßig Werbung geschaltet. Diese ist zwar recht kurz, stört auf Dauer aber definitiv den Lernfluss und ist damit ein weiterer Kritikpunkt.

Didaktisches Konzept: Wie erfolgreich lerne ich mit Duolingo?

Während eine übersichtliche Benutzeroberfläche und ein ansprechendes Design natürlich zwei nette Vorteile eines Sprachkurses sind, ist es dennoch das didaktische Konzept, das eigentlich zählt. Wie gut vermittelt Duolingo seinen Lernstoff und welche Arten von Aufgaben tragen dazu bei?

Sprung ins kalte Wasser

Die Lektionen orientieren sich an verschiedenen Themen und sind alle nach dem selben Schema aufgebaut. Jede Lektion enthält mehrere kurze Einheiten, die neue Vokabeln z.B. zum Thema Tiere, Transport, Plural oder Präpositionen beinhalten. Eine Einheit besteht aus verschiedenen Übungsformen wie Lückensätzen, Übersetzungen, Aussprachetraining und Hörverstehen.

Duolingo Beispielübung zum Vokabeltraining
Beispielübung Vokabeltraining

Meist kann man die einzelnen Wörter eines vorgegebenen Satzes nachschlagen, was auch nötig ist, da es keine Lernphase vor der Testphase gibt. Man wird quasi ins kalte Wasser geworfen und lernt somit auch durch Fehler sowie durch Raten.

Dies ist am Anfang noch eher leicht, wird bei zunehmend anspruchsvolleren Lektionen jedoch sehr schnell ermüdend, da man quasi gezwungen wird, einen oder sogar mehrere Fehler zu machen. Dafür bekommt Duolingo ganz klar Punktabzug!

Verschiedene Übungen, kaum Erklärungen

Die Übungen sind recht abwechslungsreich und nicht zu schwer gestaltet. Teilweise sind die Übungen eher zu einfach und werden damit schnell langweilig. Besonders auffällig ist das, wenn es um typische romanische Worte geht, die in fast jeder Sprache gleich sind, wie etwa „Hotel“.

Negativ aufgefallen ist mir weiterhin, dass es in der mobilen Version kaum Erklärungen zu grammatikalischen Eigenheiten gibt. In der Browser-Version gibt es hingegen vor solchen Grammatik-Einheiten detaillierte Erklärungen, allerdings leider bisher nur in der englischen Version. Auch innerhalb der Einheiten kann man sich dort Verbkonjugationen und Erläuterungen anzeigen lassen. In der mobilen Version ist diese Funktion nur extrem eingeschränkt vorhanden, was ein großes Manko ist.

Duolingo Beispielübung zum Hörverstehen
Beispielübung Hörverstehen

Die Frage, ob man durch „Erraten“ der sprachlichen Regeln oder durch Instruktion besser bzw. schneller lernt, wird in der Forschung nach wie vor kontrovers diskutiert. Mich persönlich stört es jedoch extrem, wenn ich keine Hilfestellung bekomme – gerade bei Sprachen mit einer sehr ungewöhnlichen und vor allem unregelmäßigen Grammatik. 

Je nach Lernmethode müssen nicht einmal unbedingt Grammatikerklärungen oder Vokabelpauken fürs das erfolgreiche Erlernen einer Fremdsprache auf dem Plan stehen: unsere transREAL-Methode macht es vor! Zu Duolingos Konzept von bestensfalls sinngemäßen Übersetzungen passt das Fehlen von Erklärungen jedoch keinesfalls und lässt den Lernenden eher mit großen Fragezeichen als einem produktiven Lernerfolg zurück.

Eher Spiel als Challenge?

Während man früher bei Duolingo noch 3 „Leben“ pro Einheit hatte, die mit jedem Fehler weniger wurden und schließlich dazu führten, dass man die Lektion komplett wiederholen musste, gibt es jetzt ein anderes System. Mittlerweile muss man pro Einheit einfach eine bestimmte Anzahl von Übungen meistern, um die Einheit abzuschließen. Dabei spielt die Anzahl an Fehlern keine Rolle mehr. 

Duolingo Schreibübung zum Test
Typische Schreibübung am Ende einer Lektion

Trotzdem ist der ursprüngliche Challenge-Gedanke in den sogenannten „Lingots“ erhalten geblieben, die man für abgeschlossene Einheiten erhält. Lingots sind „Diamanten“, die als Ansporn dienen sollen und im Shop gegen nette, aber für den Lernprozess eher sinnfreie Goodies wie neue Kleidung für das Maskottchen Duo getauscht werden können. 

Kurzweiliges Auswendiglernen

Ein weiteres Manko von Duolingos didaktischem Ansatz ist die Art der Aufgabenstellung. Man lernt zunächst einige Wörter anhand von Beispielsätzen, diese variieren jedoch kaum bis gar nicht, sodass man immer wieder die gleichen Sätze reproduziert. Auch im Abfrageteil werden fast ausschließlich diese Beispiele „recyclet“.

Duolingo Reproduktionsübung
Reproduktion eines exakt so gelernten Satzes

Damit beschränkt sich der Lernfaktor auf stures Auswendiglernen eines einzigen Kontexts und blockiert die Fähigkeit, ein Wort oder eine Phrase sinngemäß in den eigenen Sprachgebrauch einbauen zu können.

In späteren Lektionen werden zudem sehr selten Vokabeln aus den vorherigen Lektionen abgefragt. Diese werden also häufig wieder vergessen, wie ich in meinem Duolingo Test feststellen konnte. Gerade weniger alltägliche Wörter schaffen es damit nicht ins Langzeitgedächtnis und die Basis für ein fundiertes Vokabular wird gar nicht erst geschaffen.

Zusammenfassung – Duolingos Didaktisches Konzept im Test

Obwohl Duolingo durch andere Aspekte glänzen kann, ist das didaktische Konzept der Software wirklich schwach. Für Anfänger vielleicht ein netter Einstieg, aber „der beste Weg, Spanisch zu lernen“ (so wirbt Duolingo) ist es definitiv nicht. Auch in allen anderen Deutschsprachigen Kursen kommt vor allem die Grammatik viel zu kurz, und die repetitiven Aufgabenstellungen sowie das Erraten von Vokabeln tragen nicht gerade zur Verbesserung der Lernsituation bei.

Duolingo

6.7

Didaktik:

4.0/10

Benutzerfreundlichkeit:

9.0/10

Preis-Leistung:

7.0/10

Vorteile

  • Einfache Bedienung
  • Ansprechendes Design
  • Motivationsfaktor hoch
  • Nutzerforum für Diskussionen
  • Zahlreiche kostenlose Funktionen

Nachteile

  • Keine Grammatikerklärungen in der App
  • Teils absurde Aufgaben
  • Hauptsächlich Auswendiglernen
  • Maximal mittleres Sprachniveau erreichbar
  • Didaktisch einfach zu viele Mängel
Seiten: 1 2 3

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